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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Seite - 161 -
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161 OPER IN DEN KURSÄCHSISCHEN LANDSCHLÖSSERN Michael Hochmuth Jagdschloss Moritzburg Opernaufführungen waren am sächsischen Hof spätestens seit 1662 fester Bestand- teil der Hofkultur. Während anfangs spezielle Räume des Dresdner Residenzschlosses (Riesensaal, Redoutensaal etc.) interimistisch als Spielstätten dienten, stand ab 1667 mit dem von Wolf Kaspar von Klengel am Taschenberg errichteten Komödienhaus ein fester und äußerst repräsentativer Theaterbau zur Verfügung. Musiktheateraufführun- gen in einem kurfürstlichen Landschloss sind erstmals für 17181 im 1714 dem alten Jagdschloss in Moritzburg bei Dresden angefügten Komödienhaus nachgewiesen. Die Lage des Hauses ist im Grundriss des Schlosskomplexes vor dem Umbau 1723 (Abb.  1) erkennbar. Es hat nur neun Jahre bestanden und auch nur wenige Theaterereignisse erlebt, ist jedoch durch seinen inneren Aufbau bemerkenswert, denn es diente für die Zuschauer zugleich als Theater und als Speisesaal, wobei der Bühnenbereich das west- liche Drittel des Gebäudes einnahm und im doppelt so großen Ostteil eine hufeisen- förmige Tafel ein Broderieparterre mit Fontäne umschloss (Abb.  2). Interessant bzgl. dieser Raumgestaltung ist die Tatsache, dass sie offenbar direkt auf den Einfluss des Kurfürsten (Friedrich August  I., als polnischer König August  II., genannt »der Starke«) zurückgeht, dessen eigenhändige Ausführungsskizze noch vorliegt.2 Glaubt man den Schilderungen des Glücksritters Carl Ludwig von Pöllnitz, wurde August zu dieser Gestaltungsidee schon 16 Jahre zuvor bei seinem Besuch am Kaiserhof in Wien angeregt: »Der König  […] bat den Kurfürsten, in den Nebensaal zu kommen, wo ein üppiges Abendmahl aufgetragen wurde. Die Tafel war in Hufeisenform gedeckt. Den inneren offenen Teil bildete ein Becken, in dessen Mitte Zephyr und Flora erschie- nen, denen Liebesgötter Blumen reichten.  […] An dem einen Ende des Saales war ein Theater, auf dessen Vorhang Psyche in einem prächtigen Schlosse dargestellt war, das Kupido für sie hatte bauen lassen.«3 Zwei Uraufführungen musiktheatralischer Werke sind für Moritzburg zu registrie- ren: Während der von August für seine Mätresse Maria Magdalena Gräfin von Dönhoff veranstalteten Festlichkeiten fand am 15.  August 1718 die Aufführung der der Dönhoff 1 Von einigen Vorläuferformen der Oper auf Schloss Hartenfels in Torgau abgesehen. 2 Hauptstaatsarchiv Dresden  [im Weiteren HStA abgekürzt], Loc. 2097, Nr.  33, Bl. 4. 3 Pöllnitz 1964, S.  184. Veröffentlicht in: Margret Scharrer, Heiko Laß, Matthias Müller: Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2019. DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.469
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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