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Oper in den kursächsischen Landschlössern
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gangen ist, die ihn zu falschen Schlüssen geführt haben.7 Der Rekonstruktionsversuch
d. Verf. (Abb. 9) zeigt die Enge und Bescheidenheit dieser Spielstätte.
Schlussbemerkungen
Die Musikbegeisterung und -förderung, verbunden mit häufig eigener Musikausübung
der Mitglieder des sächsischen Kurfürsten- und ab 1806 Königshauses, konzentrierte sich
örtlich betrachtet natürlich nicht nur auf die Residenz in Dresden: Auch in den Land-
schlössern, aus denen sich das Jagdschloss Hubertusburg in Wermsdorf bei Oschatz
(1736–1755 als Herbstresidenz genutzt) sowie das Lustschloss Pillnitz elbaufwärts vor den
Toren Dresdens (Sommerresidenz ab 1765 bis zum Thronverzicht 1918) wegen der länger-
fristigen Nutzung heraushoben, gehörten musikalische Darbietungen zu jeder Zeit zum
festen Hofzeremoniell. Dazu zählten neben der Kirchen-, Kammer- und Konzertmusik
auch regelmäßige Opernaufführungen. Geschah dies im Jagdschloss Moritzburg wegen
des nur kurzen Bestandes eines Komödienhauses noch episodenhaft, erreichte die Zahl
der Aufführungen (meist desselben Stückes in einer Saison) auf Hubertusburg bemer-
kenswerte Größen. Der exorbitante Personalaufwand – neben dem gesamten Hofstaat
wurden zumeist sämtliche Kapell- und Opernmitglieder nach Wermsdorf transportiert
und dort sowie in den Nachbarorten untergebracht
– ermöglichte hervorragende Darbie-
tungen. Die pompösen Dresdner Vorstellungen mussten wegen der räumlichen Begrenzt-
heit der Interimsbühne im Steinernen Saal aber auch des im Vergleich zu Dresden wesent-
lich kleineren Opernhauses sowohl bezüglich der Ausstattung aber oft auch szenisch und
musikalisch den Hubertusburger Verhältnissen angepasst werden (und auch umgekehrt).
Die Randbedingungen des kleinen Opernhauses im Logenhaus der Sommerresidenz Pill-
nitz wirkten dagegen weniger beschränkend auf den Bühnenablauf, da die ab 1765 von
der subventionierten italienischen Operngesellschaft vorrangig dargebotene Opera buffa
weit weniger personellen und szenischen Aufwand erforderte als die zuvor gepflegte
Opera seria. Ganz intim wurden dann die Vorstellungen nach dem Brand des alten Pillnit-
zer Schlosses in der für den Sommer als Theater umgerüsteten Orangerie im ehemaligen
Ringrennhaus. Die Zuschauer reduzierten sich nunmehr auf die königliche Familie (zuvor
waren in Pillnitz auch auswärtige Gäste zugelassen) und die Bühnenverhältnisse müssen
als äußerst beschränkt bezeichnet werden. So berichtet beispielsweise die Hofopernsän-
gerin Marie Börner-Sandrini (1808–1890) in ihren Erinnerungen von den »Vorstellungen
während des Sommers auf dem winzigen, in einem Oran-Gebäude eingerichteten Hof-
theaterchen in Pillnitz, woselbst bei einigermaßen größeren Schritten die Darsteller beim
Heraustreten sofort mit der vis-à-vis gelegenen Kulisse carambolieren mußten.«8
7 Becker 1962, S. 32–35.
8 Börner-Sandrini 1876, S. 244.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur