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Ronald Clark
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nung der letzten Bäume aus dem Theaterparterre und Amphitheater gerechnet werden,
an deren Stelle nun hydraulisch ausfahrbare Beleuchtungstürme stehen.
Bewertung der Veränderungen im Theaterboskett
Die heute überkommenen Veränderungen aus der ›Wiederherstellung‹ 1936/37 und den
folgenden Jahren im Theaterboskett beinhalten keine so große schöpferische Qualität,
dass sie gegenüber der herausragenden ursprünglichen barocken Gestaltung des Thea-
terbosketts eine eigenständige zu bewahrende, denkmalpflegerische Bedeutung haben.
Die Veränderungen konzentrierten und reduzierten das Theaterboskett auf die ver-
meintlichen Anforderungen einer modernen »Freilichtbühne« jener Zeit der 1930er
und 1950er/60er Jahre. Die Nutzung als Festraum und die Funktion eines Bosketts zum
Aufenthalt und Spazieren mit Verbindung zu den umgebenden Gartenbereichen wur-
den mit den Umgestaltungen, besonders der Eingangsbereiche 1936/37, ausgeblendet
und verneint.
Zudem wiegt der erlittene Verlust der Durchdringung des Theaterbosketts mit der
mittleren West-Ost-Querachse und der Verlust der Ausdehnung des im Zentrum liegen-
den Theaterparterres mit geänderter Ausrichtung ausschließlich auf die Bühne / Szene
sowie die Schließung des Sichtfensters zum Galeriegebäude in Nord-Süd-Richtung be-
sonders schwer, weil dadurch in die barocke Grundstruktur des gesamten Großen Gar-
tens eingegriffen wurde.
Die übrigen Maßnahmen der ›Wiederherstellung‹ des Großen Gartens 1936/37 wie
Parterreausschmückung und Sondergärten beschränkten sich im Wesentlichen auf Ver-
änderungen von Einzelräumen unter Erhalt der Grundstruktur des Großen Gartens.
Diese Umgestaltungen im Sinne einer schöpferischen Gartendenkmalpflege würden
zwar heute so nicht mehr durchgeführt werden, sind aber trotzdem als denkmalwürdig
anerkannt. In diesen Gartenbereichen sind nur noch wenige Elemente der ursprüng-
lichen barocken Gestaltung erhalten. Dagegen sind im Theaterboskett trotz der Um-
gestaltungen und Veränderungen wesentliche Elemente der ursprünglichen barocken
Gestaltung bis heute vorhanden. Auch im Königsbusch zeigt der heutige Bestand durch
den zentralen Weg mit vierpassförmiger Aufweitung und Figurenschmuck entlang der
Nord-Süd-Achse noch eine der wesentlichen Strukturen als überkommenen Inhalt der
ursprünglichen barocken Gestaltung. Jedoch sind die Binnengliederungen der ehemali-
gen Kabinette vollständig verloren gegangen. Die heute vorhandene innere Ausgestal-
tung des Königsbuschs ist nur auf zwei ortsfremde Vasen bezogen und besitzt keinen
eigenständigen künstlerischen Wert, zumal der Bezug der Wege auf das Amphitheater
und das Theaterparterre und damit die übergeordnete Einbindung des Königsbuschs als
Bestandteil des Theaterbosketts heute fehlen.
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Buch Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur