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Paolo Sanvito
218 Die Inschrift über dem Eingangsportal aus dem Jahre 1619 verdeutlicht eindrücklich
den machtpolitischen Hintergrund der Unternehmung: »Bellonae ac Musis theatrum
Rainutius Farnesius Parmae ac Placen. Dux. IV. Castri
V. Augusta Magnificentia aperuit«.
Seine Rolle als zweifacher Herzog, sowohl von Castro als auch von Parma, wurde dabei
zelebriert.
Die politisch-diplomatische Einbettung des Hofes von Parma sowohl innerhalb des
Heiligen Römischen als auch des Spanischen Reiches ist in der Tat nicht zu Genüge
hervorgehoben worden. Meines Erachtens fungierte der Verweis auf Florenz als dip-
lomatischer Kontrapunkt zu den kaiserlichen Großmächten, auf die man sich zugleich
bezog. Tatsächlich ist es nur der Gunst der weitsichtigen Macht- und Kulturpolitik
Spaniens zu verdanken, die in Italien damals auch in der ebenfalls musikalisch relevan-
ten Grafschaft Mantua präsent war, dass Parma zum Machtzentrum und folglich zum
unverzichtbaren Brennpunkt der Theatergeschichte wurde.
Der Anspruch in den darstellenden Künsten
Parma war Experimentierfeld für die verschiedenen Gattungen der darstellenden
Künste, da die Opern von Dynasten in Auftrag gegeben wurden und deshalb von über-
regionaler, ja sogar europaweiter Relevanz waren. Für die Eröffnung von 1628 wurde
kein Geringerer als Claudio Monteverdi (1567–1643) engagiert, der sich gerade in der
produktivsten Phase seiner späten Wirkungsjahre befand und vor kurzem zum Kapell-
meister von San Marco in Venedig ernannt worden war. Seine Auftragskomposition
zur Eröffnung, die sogenannten Intermezzi, ist leider nicht mehr erhalten. Stuart Reiner
konnte einen strengen Gleichklang zwischen den Texten Claudio Achillinis (1574–1640)
und von Pozzo feststellen, sogar trotz unterschiedlicher Komponisten: Grund hierfür
war die Notwendigkeit, dass die selben Bühnenbilder und -maschinen verwendet wer-
den sollten, die 1618 bereits fertiggestellt waren.34
Die Resonanz des anspruchsvollen musiktheatralischen Lebens schlug sich auch in
den zahlreichen musikalischen Publikationen nieder, die über eine lange Zeit in Parma
erschienen sind. Wichtig waren auch die Musikaufträge, die der Hof an renommierte
Künstler als Akt des Mäzenatentums vergab.35 Ausschlaggebend für derart viele musi-
kalische Drucke war der Umstand, dass Ranuccio II. selbst Musiker war.36 1604 wohnte
er nachweislich in Florenz der berühmten Aufführung der Dafne von Ottavio Rinuccini
(1562–1621) in der Vertonung von Jacopo Peri (1561–1633) bei. Die lange Liste der Mu-
sikstücke, die für eine Aufführung im Teatro Farnese vorgesehen waren, beinhaltet:
34 Reiner 1964, S. 295–297.
35 Gallico 1995, S. 200–207.
36 Ebd., S. 155.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur