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Paolo Sanvito
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g) Il favore degli dei, Musik von Bernardo Sabadini (gest. 1718), dramma fantastico
musicale, Libretto von Aurelio Aureli (um 1630 – nach 1708), Parma 1690 – Therme
reali in arcadia, um 1690, Bühne von Ferdinando Galli und Domenico Mauro.
h) L’Idea di tutte le Perfettioni. Nicht in Bibliotheken nachgewiesen, aufgeführt 1690,
mit einem Stich von Ferdinando Galli Bibienas Bühnenbild, wohl 1690 mit der Deli-
ziosa di Cibele Reggia della Fortuna, Ballett.
i) L’età dell’oro, 1690, mit einem Ballett, anlässlich der Heirat Odoardos II. Farnese
(1666–1693) und Dorothea Sophia, Prinzessin Pfalz-Neuburg (1670–1748), Bühnen-
bildentwurf von Ferdinando und Francesco (1659–1739) Galli Bibiena, Bühnenmaler
Stefano Lolli, Libretto von Giuseppe Tosi (1654–1732).
j) La Gloria d’amore, 1690, mitsamt Wasserspektakel, Bühne von Domenico, Gaspare
und Pietro Mauro.
Auf Grundlage dieses umfangreichen Materials ist nicht nur die genannte Relevanz
Monteverdis für die Musikgeschichte als Ursache des rasanten Aufschwunges Par-
mas als Aufführungsort anzuführen, sondern auch die bis dahin unerhörte Modernität
der Parmenser Bühnenbilder und -spektakel. Aufschluss über ihre Vorbildlichkeit für
Italien gewinnt man aus den oben erwähnten Briefen Aleottis an Ranuccio sowie aus
dem um 1628 geführten Briefwechsel zwischen dem maestro della scena (Bühnenmeis-
ter) Francesco Guitti (Ferrara ca. 1600–1640) und Aleotti.39
Die Grundlage zur Rekonstruktion der Bühnenkünste bilden zahlreiche bildliche
und schriftliche Quellen von etwa 1630 bis zum beginnenden 18. Jahrhundert: sie zei-
gen, wie ausgeklügelt und fortschrittlich die macchine des Theaters in vielerlei Hin-
sicht waren. Selbst gängige, erfolgreiche Architekturtraktate, wie die kurz nach der
Eröffnung in Bologna verfasste Nuova regola di praticare facilmente li cinque ordini di
Architettura vom Stadtarchitekten Floriano Ambrosini (1557–1621), illustrieren diese
Tatsache. Für lange Zeit blieb die Bühne der Farnese unübertroffen.
Ein interessantes Theaterleben war damals bereits in der gesamten Region vorhan-
den, etwa in den Parma kaum nachstehenden großen Zentren Bologna, der Hauptstadt
der Kirchenstaatsprovinz, und Ferrara. Einige Chroniken belegen, wie fruchtbar dieses
Leben und der damit einhergehende Austausch von Produktionen zwischen den drei
Zentren gewesen ist. Belege dazu sind auch in Riccis Theatergeschichte zu finden.40
Ungefähr 30 Jahre nach der Eröffnung führte man Le Gare d’Amore e di Marte auf,
eine »festa rappresentata in Palazzo il carnevale 1662 alla presenza del card. Farnese
39 Siehe vor allem die Aussagen aus dem oben zitierten Brief vom Februar 1628 von Guitti, dem Assisten-
ten Aleottis, der zugleich in Parma als »Regisseur« galt. Ferrara, Biblioteca Ariostea, Fondo Antonelli,
Ms. 660.
40 Ricci 1888, S. 337. Zur Oper La fedeltà di Calisarte siehe ebd.: »Machiavelli la registra al 1662, mentre
dai continuatori dell’ Allacci è messa al 1622, ma certo per errore di stampa. Non si sa con certezza se
fosse eseguita al teatro Formagliari. Machiavelli 336.«
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur