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Der Stellenwert des Parmenser Teatro Farnese in der Geschichte des höfischen Musiktheaters
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Legato etc. inventata e descritta da Francesco Salvadori gentiluomo di sua Eminenza«.41
Ein vielfältiges Musikleben erstrahlte daher in der Folge im gesamten Herzogtum und
wirkte darüber hinaus in der Region bzw. sogar bis nach Rom.42
Der internationale Nachhall – Schlussbetrachtung
Der internationale Nachhall der ersten Aufführungen im Teatro Farnese ist nicht bloß
durch die Relevanz der Auftraggeber bedingt, die zu den Mächtigsten der Halbinsel ge-
hörten, sondern auch durch die bislang unerhörte Modernität der Parmenser Bühnen-
bilder und -architekturen. Hierzu können die Charakteristika und Besonderheiten des
Baus angeführt werden
– mitsamt seiner Verbindung mit der Residenz, dem Pilotta-Pa-
last. Einerseits schloss der Theaterkomplex an Scamozzis Bau im nur 20 km nordöst-
lich gelegenen Sabbioneta an, andererseits aber fand im Vorfeld der Uraufführung auch
eine Anknüpfung an mantuanische Traditionen durch Monteverdi und an ferraresische
durch viele andere angeworbene Künstler statt.
Die Einwirkung des Marchese Enzo Bentivoglio aus Ferrara ist diesbezüglich aus-
sagekräftig; er war nämlich aktenkundig nachgewiesener Intendant im Auftrag der
Herzöge. In den Quellen wird er jedoch als ausführender »Architekt« aufgeführt, wahr-
scheinlich hatte er die Anweisungen Aleottis umzusetzen und den fremden Gast aus
dem Nachbarstaat offiziell zu vertreten.43 In der Überlieferung De Lamas ist als Archi-
tekt zunächst »Giambattista Aleotti d’Argenta« genannt, der »architettò il primo
[The-
ater], ed intraprese a semicircolo; il Marchese Enzo Bentivoglio […] prolungandone i
lati lo condusse alla figura di un Semicirco«. Er war Sohn Cornelios (gest. 1585), eines
Befehlshabers und Hofmilitärs der päpstlichen Regierung in Ferrara, und hatte lange
mit Aleotti zusammen gearbeitet, als er die Festungsanlagen des Staates ausgeführt hat-
te.44 Es ist mehr als wahrscheinlich, dass der ehemalige Gehilfe Aleottis, Giambattista
Magnani (1571–1653), unter der Leitung von besagtem Bentivoglio die letzten Voll-
endungsphasen des Theaterbaues durchführte. Er hatte zuvor mit Aleotti die Kirche S.
Maria del Quartiere entworfen.45
41 Giordani 1856, S. 54.
42 Eine gesonderte Abhandlung verdienen z. B. die römischen Musiker, die um 1628 nach Parma berufen
wurden. Ein Konvolut des dortigen Archivs (ASPr) trägt die Aufschrift Nota dei musici di Roma, che
hanno da servire in Parma, um 1628, enthalten in: Teatri e spettacoli farnesiani, b. 1, mazzo 1, fasc. 13, 2r
(vgl. Luisi / Allegri 2013, S. 148–183, 149). In einem Brief des Komponisten Antonio Goretti an Benti-
voglio vom 16. November 1627 ist die Rede von einem »musici di Roma«.
43 Capelli 1990, S. 75.
44 De Lama 1818, S.
20. Ebd., S.
13: dem ersten Architekten »folgte Enzo Bentivoglio nach«. Dies impliziert,
dass Bentivoglio als Architekt bezeichnet wurde.
45 Scherf 1998, passim.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur