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BAROCKES KULISSEN- UND MASCHINENTHEATER
Andrea Sommer-Mathis
Das Barocktheater und insbesondere die Barockoper sind ohne die optischen Elemente
der Dekorationskunst und die oft spektakulären szenischen Effekte der Bühnenmaschi-
nerie kaum vorstellbar; in vielen Fällen waren diese sogar bestimmend für die Gestal-
tung von Text und Musik. Dies gilt für die aufwändigen Inszenierungen an den euro-
päischen Höfen ebenso wie für die Theatervorstellungen an öffentlichen städtischen
Bühnen, aber auch in adeligen Palais und Klöstern.
Nicht immer fanden die Aufführungen in eigenständigen Theaterbauten statt, son-
dern viel häufiger auf für den jeweiligen Anlass errichteten Bühnen in Sälen und Gär-
ten, die von einfachen behelfsmäßigen Podien bis zu komplexen Bühnenaufbauten rei-
chen konnten. Die Prinzipien der Bühnentechnik waren jedoch in allen Fällen mehr
oder weniger dieselben, und diesen ist der folgende Beitrag gewidmet.1
Theaterbau und Bühnentechnik von der Antike zur Renaissance
Die wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung des Theaterbaus und der Büh-
nentechnik wurden in der Renaissance, ja eigentlich schon in der Antike geschaffen.
Im Bestreben, das antike Theater wiederzubeleben, studierten die Humanisten die
überlieferten griechischen und lateinischen Dramen,2 während sich die Renaissance-
architekten mit dem einzigen erhaltenen Werk über Theorie und Praxis der antiken
Architektur auseinandersetzten, mit Vitruvs De architectura libri decem aus dem ersten
Jahrhundert vor Christus.3 Der Traktat enthält im Liber quintus4 auch Überlegungen
1 Der vorliegende Beitrag bietet keine neuen Forschungsergebnisse, sondern einen Überblick über die
Geschichte des Theaterbaus und der Bühnentechnik auf der Basis der umfangreichen Literatur (vgl.
Anhang). Außerdem wird am Beispiel der beiden italienischen Bühnenbildner-Familien Burnacini und
Galli Bibiena skizziert, welche Bedeutung die barocke Bühnenausstattung im 17. und 18. Jahrhundert
für die Entwicklung der Oper am Wiener Kaiserhof hatte. Überblicksdarstellungen zur Entwicklung
von Theaterbau, Bühnentechnik und -maschinerie vom 16. zum 18. Jahrhundert u.
a. Tintelnot 1939,
S.
13–90; Nicoll 1971, S.
83–148; Mancini / Muraro / Povoledo 1975; Berckenhagen
/ Wagner 1978;
Gerdes 1987; Küster 2003.
2 Vgl. u. a. Pochat 1990, S. 205–214.
3 Vgl. ebd., S. 241–277.
4 Vitruv 1976, Drittes Kapitel (1–2, 5–8), S. 212–215: Die Auswahl des Platzes für das Theater; Fünftes
Kapitel, S. 220–225: Über Schallgefäße im Theater; Sechstes Kapitel (VIII, 1–2), S. 226–227: Auswahl
des Platzes für das Theater nach örtlich gegebenen akustischen Verhältnissen; Siebtes Kapitel (III, 3–5.
VI, 1–9), S. 226–235: Über die Durchführung des Theaterbaus; Achtes Kapitel (VII. VIII, 2), S. 234–237:
Veröffentlicht in: Margret Scharrer, Heiko Laß, Matthias Müller: Musiktheater im höfischen
Raum des frühneuzeitlichen Europa. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2019.
DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.469
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur