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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Barockes Kulissen- und Maschinentheater 235 Die ›Erfindung‹ der Kulissenbühne und der barocken Bühnenmaschinerie Giovanni Battista Aleotti (1546–1636), dem Baumeister und Theaterarchitekten der Far- nese in Parma und Piacenza ist die ›Erfindung‹ der Kulissen zu verdanken, die seit dem Beginn des 17.  Jahrhunderts auch einen schnellen Wechsel der Dekorationen auf offener Bühne ermöglichte.15 Kulissen (franz. courir  = gleiten) waren zunächst nichts anderes als auf Holzrahmen aufgezogene Leinwände mit perspektivischer Malerei, die, wie die Winkelrahmen oder Telari, paarweise auf beiden Seiten der Bühne angeordnet waren und in sogenannten ›Gassen‹ hintereinander gestaffelt wurden. Die Kulissen wurden zum Bühnenhintergrund hin immer kleiner, wodurch sich, bedingt auch durch die Neigung des Bühnenbodens, die perspektivische Wirkung der Dekorationen voll entfalten konnte. Die Kulissen waren auf Wagen befestigt, die auf Rollen in Führungs- schlitzen, den sogenannten ›Freifahrten‹, in der Unterbühne hin- und hergefahren wer- den konnten. Wurde eine Kulisse aus dem Sichtfeld des Publikums gezogen, so konnte gleichzeitig eine neue hineingeschoben werden. Diese Methode der Verwandlung des Bühnenbildes beanspruchte anfangs noch re- lativ viel Zeit, was sich erst änderte, als ein Schüler Aleottis, Giacomo Torelli (1608– 1678),16 1641 in Venedig eine Maschinerie konstruierte, die es erlaubte, die Dekora- tionen von einem Punkt aus simultan und in kürzester Zeit komplett zu verwandeln. Dabei wurden über einen horizontalen Wellbaum in der Mitte der Unterbühne die Ku- lissenwagen aller Gassen miteinander verbunden, sodass sie im gegenseitigen Wechsel binnen weniger Sekunden ausgetauscht werden konnten. Dieser rasche Bühnenbild- wechsel auf offener Bühne, die mutazione di scena, war eine der Hauptattraktionen des Barocktheaters. Einige der hölzernen Bühnenmaschinerien haben sich in mehreren europäischen Theatern bis heute erhalten oder wurden nach den alten Modellen rekonstruiert. Die Maschinerie des Ludwigsburger Schlosstheaters17 aus dem Jahre 1758 ist die älteste, gefolgt von der des Schlosstheaters Drottningholm18 aus den Jahren 1764/66.19 Böh- 15 Vgl. u.  a. Tintelnot 1939, S 49–50; Mamczarz 1988; Capelli 1990, Albrecht 2001. 16 Vgl. zu Torelli u.  a. Tintelnot 1939, S.  54–56; Bjurström 1961; Mancini  /  Muraro  /  Povoledo 1975, S.  54–63; Greisenegger 1981, S.  25–29; Gamba  /  Montebelli 1995; Milesi 2000; Powell 2000, S.  22–25; Küster 2003, S.  129–130 (Kat.-Nrn. 80, 81a und b); Greisenegger-Georgila 2011, S.  122 (Abb.  1), 124; Hertweck 2011, S.  224–237; Sommer-Mathis  /  Franke  /  Risatti 2016, S.  266–268 (Kat.-Nrn. 2.10–16). 17 Vgl. Scholderer 1994; Deborre 1998; Quecke 1998; Jung 2010, S.  72–75. 18 Vgl. Hilleström 1956; Hilleström 1958; Beijer 1972; Kull 1987; Stribolt 2002; Sauter-Wiles 2014. 19 Das Herzstück der Kulissentechnik war der zentrale Wellbaum, wie er im Schlosstheater von Ludwigs- burg Verwendung fand. In Drottningholm wurden die Kulissen hingegen von einer vertikalen Dreh- spindel bewegt, was den Vorteil hatte, dass keine horizontale Mittelwelle mit Seilen zu den Kulissen- wagen die Versenkungen behinderte und dadurch auch die Bühnenarbeiter mehr Platz zum Hantieren hatten.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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