Seite - 238 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Bild der Seite - 238 -
Text der Seite - 238 -
Andrea Sommer-Mathis
238
theater von Böhmisch Krumau, werden Trommeln gedreht, die mit Sand gefüllte Ein-
schubböden enthalten.
Die Konstruktion der im Barock verwendeten Windmaschinen war relativ simpel:
Man spannte einen groben Leinenstoff über eine mit einer Kurbel ausgestattete Trom-
mel; sobald man das Holzrad in Bewegung setzte, rieb es sich am Stoff und erzeugte ein
windartiges Geräusch.29 Sabbattini beschrieb in seinem Handbuch eine andere Mög-
lichkeit,
»Wind vorzutäuschen […]. Man nimmt Brettchen aus Nußholz oder anderem harten
Holz, anderthalben Fuß lang und einen Zoll oder etwas mehr breit, sie müssen aber dünn
sein wie die Lineale zum Zeichnen. Dann macht man in jedes ein Loch und bindet dort
einen Bindfaden oder eine Kordel von gleicher Länge an. Nun gibt man jedem der Män-
ner, die diese Täuschung vollführen sollen, ein Lineal. Wenn es dann an der Zeit ist, sich
ihrer zu bedienen, drehen sie, das Ende der Kordel in der Hand haltend, besagte Lineale
so viele Male rundum, wie man den Wind andauern lassen will; und damit wäre das Ge-
wünschte geschehen.«30
Für die Produktion von Blitzen schlug Sabbattini eine etwas kompliziertere Variante vor:
»Wenn im vorhergehenden Kapitel davon die Rede war, wie man Winde vortäuschen
kann, soll jetzt im gegenwärtigen die Art auseinandergesetzt werden, wie man den An-
schein erwecken kann, als ob es wetterleuchtet oder Blitze zucken. Um dies zu tun, nimmt
man gewöhnliche Bretter, die so lang sind, wie die Größe des Blitzes sein soll; sie mögen
einen Fuß breit sein. Auf diese zeichnet man der Länge nach eine Zickzacklinie, ähnlich
dem Blitzstrahl. Dann läßt man besagte Bretter gemäß dieser Zeichnung aussägen. Ist
dies geschehen, so legt man diese beiden Bretterstücke über die Leinwand des Himmels,
indem man besagtes Leinen an verschiedenen Stellen an dem Brett festheftet, entspre-
chend dem ausgesägten Muster. Darauf nagelt man den einen Teil desselben an, so daß
er unbeweglich bleibt. Der andere wird so angebracht, daß die Öffnung des Himmels
immer geschlossen bleibt; er wird mit zwei oder drei Stricken an irgendein Holzstück
des Daches oder irgend etwas anderes Feststehendes aufgehängt. Diese Stricke sollen
aber nicht senkrecht, sondern schräg stehen, wenigstens um einen Fuß gegen den fest-
gemachten Teil des Brettes hin. Nun zerschneidet man das Leinen zierlich, entsprechend
dem erwähnten Spalt des Holzes, und nimmt noch ein zweites Brett von anderthalb Fuß
Breite, das man mit zerkleinertem Rauschgold bedeckt und das etwas länger sein muß
als der für den Blitz gemachte Spalt. Dies Brett befestigt man gegenüber diesem Spalt
einen Fuß höher nach dem Dach des Saales zu, aber so, daß es die Stricke, die an dem
Brett angebracht waren, nicht behindert. Zur Zeit der Vorführung nimmt man zehn oder
zwölf Kerzenenden und bringt sie auf dem unbeweglichen Brett drei bis vier Finger lang
29 Vgl. Sommer-Mathis /
Franke / Risatti 2016, S. 301 (Kat.-Nr.
6.30–31).
30 Sabbattini-Flemming 1926, S. 271: Kap. LI: Wie man den Wind vortäuscht.
zurück zum
Buch Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur