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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Barockes Kulissen- und Maschinentheater 255 (»Operazione 69a«), in dem er eine in sich geschlossene Bühnenszene, nicht mehr nur einen Ausschnitt wie bisher, perspektivisch erläuterte. Der künstlerische Stil der Galli Bibiena steht in enger Verbindung mit der Weiter- entwicklung der Gattung Musikdrama von der bisher dominierenden venezianischen Oper mit ihrer Fülle von Handlungssträngen und Schauplätzen hin zur Opera seria, die mit den Namen der Librettisten Apostolo Zeno (1668–1750), Pietro Pariati (1665–1733) und Pietro Metastasio (1698–1782) untrennbar verbunden ist. Während die frühe Oper des 17.  Jahrhunderts ihre Stoffe vorzugsweise aus der an- tiken Mythologie bezogen hatte, rückten in der Opera seria historische Stoffe aus der griechischen und römischen Antike in den Mittelpunkt des Interesses. Protagonisten waren nun nicht mehr primär mythologische und allegorische Figuren, sondern Herr- scherpersönlichkeiten oder Feldherren wie Cäsar, Alexander der Große, Titus, Xerxes, Hadrian und Cyrus oder große Königinnen wie Semiramis und Dido von Karthago. Dementsprechend änderte sich auch die Hierarchie der Schauplätze der Opern, und Pa- läste, Feldlager oder Plätze mit repräsentativen öffentlichen Gebäuden wurden zu den wichtigsten Dekorationen.62 Wolkenmaschinen fanden ihren Platz nun primär in den Schlussszenen der Opern, den Licenze, die in keinem direkten Zusammenhang mit der Handlung standen, sondern der Huldigung des Herrscherhauses dienten. Giuseppe Galli Bibiena, der 1716 mit der spektakulären Inszenierung von Angelica vincitrice d’Alcina auf dem Teich der Sommerresidenz Favorita seinen Einstand am Wiener Hof feierte,63 ist der für Wien bedeutendste Vertreter seiner Familie in der zwei- ten Generation. Vom künstlerischen Erbe seines Vaters Ferdinando ausgehend, wurde er in seinen Bühnenbildentwürfen im Laufe der Zeit immer freier und gelöster. Das zeigt sich deutlich in dem 1740 in Augsburg erschienenen Stichwerk Architetture e pro- spettive,64 das er seinem imperialen Schirmherrn, Kaiser Karl  VI. (1685–1740), widmete. In den Stichen von Johann Andreas Pfeffel d.  Ä. (1674–1748) sieht man, mit welcher künstlerischen Meisterschaft die jüngere Generation der Galli Bibiena die von Ferdi- nando als szenische Neuerungen postulierten Errungenschaften sowohl in Bühnen- als auch in ephemeren Dekorationen zu verwenden verstand. Durch die Familie Galli Bibiena verbreitete sich die barocke Bühnenkunst und der Einsatz von Winkelperspektive und Diagonalachsen in ganz Europa, denn es gab kaum einen europäischen Hof zwischen Wien und Berlin, Böhmisch Krumau (heute Český Krumlov) und Drottningholm, Lissabon und Moskau, an dem nicht wenigstens ein Familienmitglied zumindest zeitweise tätig gewesen wäre; außerdem fanden sie sehr rasch viele mehr oder weniger begabte Nachahmer. An den heute noch in Böhmisch Krumau oder Ludwigsburg erhaltenen Typendekorationen erkennt man aber auch sehr 62 Vgl. Zielske 1965. 63 Vgl. Dembski-Riss 1996; Dembski-Riss 2003; Sommer-Mathis 2016b; Fischer 2018. 64 Galli Bibiena 1740.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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