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Tadeusz Krzeszowiak
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2 Theaterfest für alle Sinne
»[…] Sollʼs blitzen, so steht der Kerl,
derʼs Kolophonium durch Licht bläst,
so sichtbar ohne Arglist da,
als wollte er gleichsam sagen:
Seien Sie ohne Sorge, hochgeehrte Spectatoren!
sʼist alles nur Spaß«1
Die theatralischen Aufführungen fanden vorwiegend in geschlossenen Gebäuden statt,
nicht selten aber auch als Freilichttheater. Es entstand eine neue Bühnenform: ein
waagrechtes Podium in Rechteckform, anschließend eine Spielfläche, rechteckig oder
trapezförmig, die schräg anstieg. Bei den waagrechtgebauten Spielflächen gab es so-
gar schon kleine Drehscheiben, die von der Unterbühne aus mit menschlicher Kraft in
Drehbewegung gesetzt werden konnten.
Hier benötigte man eine neue Art der Beleuchtung – eine Beleuchtung mit künst-
lichem Licht, das aber die Lichtverhältnisse der Wirklichkeit vortäuschen sollte. Damit
setzte sich der Wandel von der Symbolfunktion zur illusionstragenden Funktion des
Lichtes, wie es im Renaissancetheater begonnen hat, fort. Das Bühnenlicht hatte somit
in der Folge eine zweifache Aufgabe zu erfüllen: Es musste die Darsteller und die Bühne
sichtbar machen, also den szenischen Vorgang erhellen, was eine rein technische Auf-
gabe war; gleichzeitig aber sollte das Licht auf der Bühne illusionsfördernd und raum-
schaffend wirken und hatte somit eine künstlerische Funktion zu erfüllen, die stark von
den Eigenschaften der damals zur Verfügung stehenden Lichtquellen abhängig war.
Die Hauptlichtquellen waren vor allem Kerzen und Öllampen, es kam aber auch zum
Einsatz von Fackeln.
Für die Beleuchtung der Spielbühne mit ihren Kulissen wurden, so wie in der Re-
naissance, meist ein oder mehrere im Proszeniumsbereich montierte Kronleuchter und
einige Kerzen an den Seiten, die zweckmäßig hell gehalten wurden, verwendet (Abb.
1).
Auf der Hauptbühne waren Kerzen und Öllampen entsprechend der Anordnung der
Dekorationen rechts und links an den Kulissenständern übereinander befestigt. In ähn-
licher Weise montierte man sie an Holzlatten über der Bühne als Oberlicht (= Soffitten-
lampen) (Abb. 2) und an der Vorbühnenkante als Fußrampe (= Fußlicht).
Durch die nach hinten zu meist fast konstant bleibende Beleuchtungsstärke und
die zunehmende Helligkeit der Dekorationen ergab sich ein heller »Fluchtpunkt« im
Hintergrund der Bühne, wodurch deren Tiefenillusion gesteigert wurde. Zur einfachen
Erhellung der Bühne kam es auch zur Miteinbeziehung der Kronleuchter des Zuschau-
erraumes. Um die Bühne zu verdunkeln, etwa zur Erzielung einer Nachtstimmung,
1 Journal für Theater und andere schöne Künste, 1798, S.
83.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur