Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Seite - 292 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 292 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Bild der Seite - 292 -

Bild der Seite - 292 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Text der Seite - 292 -

Tadeusz Krzeszowiak 292 Leuchtkraft zu erzielen, verwendete man Öllampen mit zwei oder mehreren Dochten und gewölbten Reflektoren aus Kupfer, Messing oder Eisenblech, die das Licht des Dochtes in eine Richtung bündelten. Die teuerste Beleuchtung war jene mit Wachsker- zen, die das hellste und festlichste Licht erzeugten. Sie brannten zudem geruchsfrei und tropften wenig. Die billigeren Talgkerzen, auch Talgnäpfe genannt, leuchteten weniger hell. Der flüssige Talg verdampfte nur im unteren Teil des Dochtes, während der obere Abschnitt verkohlte und die Flamme zum Rußen brachte. Die Kerzen und Öllampen wurden mit Hilfe von Wachsstöcken angezündet. Für die schon seit der Renaissance bekannten farbigen Lichter waren räumlich ver- schieden angeordnete, stark gekrümmte, durchsichtige Glasgefäße mit Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Lackmus für Blau, eine Mischung von Lackmus und Safran (=  Gelb) für Grün, gewisse Weine für Rot und klares Wasser für weißes, diamantartige schim- merndes Licht, angebracht. Hinter den Gefäßen standen Kerzen oder Öllampen. Das Licht wurde auf diese Weise konzentriert und die lebendige, wackelnde Flamme belebte die Dekoration. Man erzeugte damit die Tiefenwirkung und sorgte für die Illusion des Bühnenraumes. Dies war eine von Leonardo da Vinci (1452–1519) aus dem Jahre 1487 stammende Idee der Linsen-Strahlenbündelung und der subtraktiven Farbmischung von zwei Flüssigkeiten (Abb.  3). Wenn aber ein intensiveres Licht nötig war, brachte man hinter der Lichtquelle ein Kupferbecken an, das die Strahlen zum Glasgefäß verstärkt reflektierte. So entstand das erste, wenn auch noch einfache, Scheinwerfergerät mit den Grundelementen: Spiegel, Lichtquelle und Linse mit Farbfilter. Bis heute sind alle klassischen Theaterscheinwerfer auf diesem Prinzip aufgebaut. Nach und nach fanden auch einzelne Effekte wie Blitze, Feuerschein oder flimmernde Himmelskörper immer mehr Anwendung. Die Feuer- blitze wurden mit dem Blitztopf von Sebastiano Serlio (1475–1554) realisiert: Der mit pulverisiertem Kolophonium (=  Fichtenharz) oder Lykopodium (=Bärlappsamen) ge- füllte Topf hatte einen durchlöcherten Deckel. Beim Schütteln des Topfes entzündete sich das Pulver an einer Kerze, die auf dem Deckel befestigt war. Abbildung  3.  Kerzenlampe von Leonardo da Vinci, blaue Einfärbung des Lichtes mittels Lackmus.
zurück zum  Buch Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa