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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Braunschweig – Wolfenbüttel – Salzdahlum 313 angesprochenen »wundersamen Machinen« können wir freilich nur spekulieren. Je- denfalls ermöglichten sie offenkundig ein mehrdimensionales Bühnenspiel. So finden sich im zweisprachigen Libretto zur Medea, abgesehen von den im Bericht Eduard Bode- manns angesprochenen Maschineneffekten, noch folgende Szenenanweisungen: »Nach einer prächtigen Music kommet Jupiter auf einem Adler geflogen« (Prolog), »Die vier Elemente so auf der Kugel gesessen fliehen von einander  /  und Jupiter in die Höhe« (Prolog), »Bey dem Krachen eines Donnerschlages zertrennet sich eine Wolke  /  und er- scheinet die Medea auff einen Wagen von zweyen höllischen Drachen gezogen« (II/20), »Das Grab mit dem Cörper versinket in die Erde  /  und Medo steiget mit der Medea in das Schiff  /  und fahren davon« (II/21). Giovanni Antonio Borettis Oper Ercole in Tebe wurde im August 1688 ins Programm genommen und stand hinsichtlich des Maschinenaufwandes nicht zurück: »Hercules kommet auff einen prächtigen Wagen  /  so von zween Löwen gezogen wird« (I/1), »Es kommet ein Donner mit einem Erdbeben  /  und gibt sich ein stück Berges ab.  […] Her- cules hält den Berg biß Sipho vorbey  /  und läst ihn alsdann fallen  /  da man dann in der Tieffen die Hölle siehet« (I/21). Nur in der deutschen Zusammenfassung der Oper fin- det sich eine Beschreibung des »Ballo«, der den 1. Akt beschließt: »Auß der Hölle kom- met eine Schild=Kröte darauß Zwerge werden  /  welche tantzen  /  hinten kommen Reuter so mit der Schilt=Kröte streiten und sie endlich verjagen  /  werden aber selbsten von Rie- sen so dazukommen mit sampt den Pferden weggetragen.« In der 9. Szene des 2. Aktes fahren Theseus und Charon mit dem beinahe obligatorischen Schiff davon. In dem der nächsten Szene folgenden Ballo entsteigen drei Furien »einem Walfisches=Kopffe und tantzen«. In der 12. Szene kommt Venus »auff einer hellglänzenden Wolcken umbgeben mit Cupidons«. Dass diesen Opern eigens Ballettszenen eingefügt und sie durch ein Grand-Ballet beschlossen wurden, bei denen sich der Adel angemessen präsentieren konnte, sei nur vermerkt, da ich mich an anderer Stelle über diese Modifikationen bereits geäußert habe.21 Hatten die neuen Maschinen zunächst einmal die Fantasie beflügelt, so verwundert die Zurückhaltung bei deren Nutzung zu Beginn der 1690er-Jahre. So wurde für die 1692 erfolgte Wiederaufführung von Gianettinis Medea allenfalls noch eine Flugma- schine (?) für Medeas von zwei Monstern gezogenen Wagen erforderlich, da der Pro- log entfiel. Keine der ebenfalls 1692 aufgeführten Opern von Clemente Monari, der im Libretto seiner La Libussa im übrigen als »Maestro di Capella  | di  | S. A. S.« bezeichnet wird, benötigt eine aufwändige Bühnenmaschinerie; allenfalls in Gl’Amori innocenti nutzt Daliso »un batello« (II/7). Dabei hatten Monari bei der Komposition seiner Opern und der Textdichter Flaminio Parisetti bei der Erfindung seines Plots sicherlich alle Möglichkeiten, sich auf die technische Ausstattung der Bühne einzustellen. Allerdings 21 Emans 2016b.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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