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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Reinmar Emans 314 brachten beide offenbar Material aus Modena mit. Bei Monaris Muzio Scevola jeden- falls ist auffällig, dass einige Arien aus Giovanni Legrenzis Eteocle e Polinice stammen, die beide, Monari und Parisetti, 1690 bei der Aufführung in Modena in der Einrich- tung des Legrenzi-Schülers Gianettini kennengelernt haben könnten.22 Oder wurden die Wolfenbüttler Bühnenmaschinen gar aus Kostengründen im neuen Operntheater- bau in Braunschweig weiterverwendet? Jedenfalls wird in allen bis 1700 im fürstlichen Theater zu Wolfenbüttel aufgeführten Opern (Salzthalischer Mayenschluss 1696, Streit der Ehre und Liebe 1697, Alessandro Scarlattis Il figlio delle selve 1700) auf den Einsatz von Maschinen verzichtet. Die ersten beiden wurden im Übrigen auch in Salzdahlum gegeben. Natürlich ließ sich auch bei dem Ballett Die sich erfreuenden Jahreszeiten pro- blemlos auf dergleichen verzichten. Eine Sonderstellung nimmt der Tempel der Tugend und Ehre zum Geburtstag von Anton Ulrich ein. Dieses Ballett mit anschließender Wirt- schaft wurde, glaubt man dem Libretto, im Wolfenbüttler Schloss aufgeführt. Auf das neue Operngebäude in Wolfenbüttel jedenfalls hatte die Verwandtschaft in Hannover bald schon mit ihrem 1689 prächtig eröffneten fürstlichen Opernhaus reagieren können. Doch legten die Wolfenbütteler rasch nach mit dem 1690 fertigge- stellten Opernhaus in Braunschweig, für dessen Bau der Bauvogt Hermann Korb ver- antwortlich zeichnete, der nach Ausweis der Opernrechnungen 1695 (vgl. Anhang III) auch weiterhin für das Opernhaus Arbeiten zu verrichten hatte.23 Beide Theater, das Braunschweiger wie das Hannoveraner, werden von unterschiedlichen Zeugen übri- gens gerne im direkten Vergleich beschrieben.24 Wie dem auch sei: Die zum Teil en- thusiastischen Beschreibungen des Braunschweiger Hauses lassen vermuten, dass es sich mit der Konkurrenz in Hannover, aber auch in Hamburg durchaus messen lassen konnte. Da Herzog Anton Ulrich inzwischen mit Johann Oswald Harms einen der bes- ten Bühnenmaler und -ausstatter und mit Friedrich Christian Bressand einen der besten 22 Hierbei handelt es sich im Einzelnen um die Arien: »Fermo scoglio è la mia fede« (I/14) und »La mia speme è un fior, che nasce« (II/10). Beide Arientexte sind in der Uraufführung (Venedig 1674) des Eteocle e Polinice nicht enthalten, sondern nur in der Modeneser Fassung. Offenbar geht auch die Aria »Dammi pace, ò dio d’amor« (Muzio Scevola, II/5) auf Legrenzis Oper zurück, obwohl sie dort nicht wortgleich ist (»Dammi pace un giorno Amor«); vgl. hierzu Emans 1993. Die Aria »Non si lasci in pace nò« (Muzio Scevola, III/9) entstammt hingegen wohl Legrenzis I due Cesari. 23 Ob er allerdings, wie Simon Paulus (Paulus 2006, S.  34), meint, wirklich für die Bühnenmaschinerie zuständig war, muss fraglich bleiben, denn laut einem Kirchenbuchauszug, der von Richter 1963, S.  79, mitgeteilt wird, bezeichnete sich Harms 1691 bei seiner Hochzeit als »Machinen Meister, Cammer Diener und Mahler«. Mein Dank gilt Simon Paulus, der mich auf seinen Beitrag aufmerksam gemacht hat, für den er auch die Opernabrechnungen 1695 eingesehen, aber musikhistorisch nicht ausgewertet hat.  – Zur Datierung der Eröffnung des Operntheaters siehe Eisinger 1990, S.  30–39. 24 So führt etwa Barthold Feind an, von den Operhäusern sei: »das Hamburgische das weitläufftigste  /  das Braunschweigische das vollkommenste  /  und das Hannoversche das schöneste.« (Feind 1708, S.  89). Und wenige Jahre zuvor konnte man im »Neu=eröffneten Rüst=Zeug oder Machinen-Hauß« (Rüst- zeug 1704, S.  55) lesen, dass die Oper zu Braunschweig »an grossen Machinen gar schöne« sei; doch »In Proportion der Logen und Parterren gegen dem Theatro sind die herrlichen Theatra zu Braunschweig und Hannover gantz und gar zweyerley  …«.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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