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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Seite - 345 -
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Göttliche Inszenierungen – mythologische Festspiele am spanischen Hof im Goldenen Zeitalter 345 de Guzmán y Pimentel, conde-duque de Olivares unterstützt und instrumentalisiert.5 Dieser schlaue Politiker wusste sehr gut die wechselseitige Beziehung von Herrscher, als Mäzen und Förderer, und Kunst, als Instrument der Verherrlichung, zu nutzen. Wäh- rend seiner Amtszeit wurden das Madrider Schloss (Alcázar) und andere Residenzen umfassend renoviert sowie das Lustschloss Buen Retiro neu gebaut. Im Folgenden werden einige comedias mitológicas, die am Hof Philipps  IV. gespielt wurden, etwas näher betrachtet. La gloria de Niquea (1622) Die erste höfische Theateraufführung aus der Regierungszeit Philipps  IV. fand im April 1622 während der Feierlichkeiten zum 17.  Geburtstag des neuen Königs statt. In den Gärten des Schlosses zu Aranjuez wurde La gloria de Niquea von Juan Tassis y Peralta, Graf von Villamediana, gegeben. Die Bühnenbilder und die Maschinen, die nötig wa- ren, um die zahlreichen szenischen Effekte des Stückes zu realisieren, betreute Giulio Cesare Fontana, »ingeniero mayor, y superintendente de las fortificaciones del Reyno de Nápoles«6 und der erste von mehreren italienischen Fachleuten, die am spanischen Hof Theateraufführungen betreuten. Die Schauspieler waren Mitglieder der königlichen Familie7 und des Hofes, und zwar nicht nur Adlige: Die Rolle der Nacht wurde von einer farbigen portugiesischen Zofe übernommen.8 Die erhaltene Beschreibung der Aufführung von Diego Hurtado de Mendoza lässt erkennen, dass die Bühnenmaschinerie durchaus in der Lage war, außergewöhnlich komplizierte szenische Abläufe zu realisieren. Das Bühnenbild stellte zunächst einen Berg dar, der sich später öffnete, um ein Schloss zu zeigen. Die Säulen der Schlossfassade verwandelten sich in Riesen, als sich der Held Amadís dem Eingang näherte, genauso wie im Prolog des Stückes, als Nymphen aus den Bäumen hervorge- kommen waren. Aurora stieg nieder, versteckt in einer Maschine, die eine Wolke dar- stellte und aus der ein goldener Regen fiel. Eine Nymphe wurde von einem Adler ge- tragen. Fontana beherrschte offenbar sein Handwerk; wenn man bedenkt, dass es sich um eine speziell für die Aufführung gebaute Freilichtbühne handelte, erscheint seine Leistung umso bemerkenswerter. 5 Dieser ungewöhnliche Titel  – von seinem Träger erfunden  – kam dadurch zustande, dass Don Gaspar, der den Titel eines Grafen (conde) von Olivares von seinem Vater geerbt hatte, zusätzlich zum Herzog (duque) von Sanlúcar la Mayor ernannt wurde. 6 Hurtado de Mendoza 1947, S.  8. 7 Die Titelrolle wurde von der Infantin Ana  – der späteren Frau Ludwigs XIII.  – gespielt; die Königin übernahm die stumme Rolle der »Göttin der Schönheit«. 8 »[…] una portuguesa negra, excelentísima cantora, criada de la Reina, vestida con saya entera de tafetán negro sembrada con estrellas de plata.« Hurtado de Mendoza 1947, S.  15.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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