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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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395 UMKÄMPFTE INSELREICHE – TEICHTHEATERAUFFÜHRUNGEN IN VERSAILLES UND WIEN ZWISCHEN 1664 UND 1716 Helena Langewitz Aufwändig inszenierte Musiktheateraufführungen erfolgten im 17.  und frühen 18.  Jahr- hundert an verschiedenen Höfen auch auf Teichen, die in fürstlichen Gärten gelegenen waren.1 Wiederholt gelangten dabei Adaptionen von Episoden aus Homers Odyssee, Ovids Metamorphosen und Lodovico Ariosts Orlando furioso zur Aufführung, in denen Göttinnen bzw. Zauberinnen thematisiert werden, deren Herrschaftsgebiete auf Inseln angesiedelt sind: Circe, die bei Homer das mythische Eiland Aiaía, bei Ovid eine Insel im Tyrrhenischen Meer bewohnt und Alcina, deren Inselreich im Indischen Ozean ge- legen ist.2 Beide, Circe und Alcina sind Protagonistinnen von Teichtheaterinszenierungen, die am französischen Königshof Ludwigs  XIV. und am habsburgischen Kaiserhof in Wien unter Leopold  I. und seinem Sohn Karl  VI. zwischen 1664 und 1716 realisiert wurden: in dem im Rahmen des dreitägigen Themenfestes von Versailles Les plaisirs de l’isle enchantée 1664 inszenierten Ballet du Palais d’Alcine, dem Dramma per musica La cos- tanza d’Ulisse, das im Jahr 1700 auf dem Teich des kaiserlichen Sommersitzes der Fa- vorita auf der Wieden aufgeführt wurde und in der sechzehn Jahre später am selben Ort gespielten Festa teatrale Angelica vincitrice d’Alcina. In Form von Festberichten und Libretti überliefert, zeugen insbesondere die von den Inszenierungen angefertigten bildlichen Darstellungen und Druckgraphiken von dem Prestige, das den Aufführungen seitens der Höfe beigemessen wurde. Sie dienten dazu, die Inszenierungen in idealisier- ter Form an anderen Höfen bekannt zu machen und der Erinnerung zu bewahren. Die Gemeinsamkeiten von Les plaisirs de l’isle enchantée, La costanza d’Ulisse und Angelica vincitrice d’Alcina betreffend der Wahl eines Zauberinnen-Stoffes, der Realisierung auf einem Teich und der Überlieferung durch Druckgraphik lässt die Unterschiede in den Anverwandlungen der stofflichen Vorlagen und deren Umsetzung auf der Teichtheater- bühne umso deutlicher zu Tage treten. Nicht nur die bildkünstlerische Ausgestaltung der die Hauptschauplätze bildenden Inseln, sondern auch die Art und Weise, wie mit ihnen und ihren Beherrscherinnen verfahren wird, gestalten sich jeweils individuell. Die Protagonistinnen waren dem Publikum aus den entsprechenden Quellen als über ihr Inselreich eigenmächtig Herrschende bekannt, die männliche Inselbesucher nach 1 Zu den barocken Teichtheateraufführungen vgl. Schlick 1962. 2 Homer 2017, 14. Buch, V. 10; 245–307.  – Ariosto 2002, 6.–8.  und 10. Gesang. Veröffentlicht in: Margret Scharrer, Heiko Laß, Matthias Müller: Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2019. DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.469
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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