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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Umkämpfte Inselreiche – Teichtheateraufführungen in Versailles und Wien zwischen 1664 und 1716 397 Die Vorstellung einer weiblichen Herrschaft über die Insel, wie sie in den hier behan- delten Aufführungen im Vordergrund stehen wird, rekurriert möglicherweise auf einen bereits in der Ikonographie der Antike praktizierten und im 16.  Jahrhundert wieder auf- gegriffenen Usus, Städte, Länder und Kontinente als weibliche Allegorien darzustellen. »Die Verkörperung bzw. bildliche Darstellung eines geographischen Territoriums als Frau funktioniert dabei über eine Identifikation der Natur bzw. der Erde mit dem weibli- chen Körper in der Vorstellung der belebten Natur.«5 Die semantische Überlagerung von Raum und Frauenkörper prägte auch den Beginn der Eroberungsfahrten zur »terra in- cognita«, die fast ausnahmslos in männlicher Besetzung erfolgten.6 Die dabei vorgenom- mene Inbesitznahme von Inseln und das Durchdringen von »jungfräulichen« Landstri- chen wurden nicht selten als Defloration seitens der männlichen Eroberer beschrieben.7 Entdeckung, Eroberung aber auch Verteidigung eines Inselreiches sind Aspekte, die bei der theatralen Anverwandlung von Inseln auf Teichen wiederholt inszeniert werden. Eine magische Komponente gewannen Inseln durch die Vorstellung, dass sie sich schwimmend fortbewegen würden. Gespeist wurde diese sowohl durch die antike My- thologie als auch durch reale Erfahrungen aus dem Bereich der Entdeckungsfahrten. Beispielsweise offenbarte sich der von Juno verfolgten, hochschwangeren Latona Delos, wie Benjamin Hederich in seinem im 18.  Jahrhundert häufig frequentierten Gründlichen mythologischen Lexikon referiert, als Insel, die »bis dahin unter dem Wasser verborgen gewesen« war.8 Die Insel blieb während der Geburt der Zwillinge Diana und Apoll »fest stehen  […], da sie sonst nur auf dem Meere herum schwamm«.9 In der Schifffahrt hatte man zudem erfahren müssen, dass einmal entdeckte Inseln nicht auf Anhieb wieder- gefunden werden konnten. Obwohl sich die Breitengrade bereits vergleichsweise früh ermitteln ließen, erwies sich die exakte Bestimmung der Längengrade bis ins 18.  Jahr- hundert hinein als große Herausforderung und erschwerte es dementsprechend, die geographische Lage von Inseln in der Weite der Weltmeere genau zu bestimmen.10 Die- ser Umstand begünstigte es, dass Inseln sich neben der geographischen Bestimmbarkeit auch einem »intellektuellen Zugriff« entzogen, wodurch sie zur begehrten Gegenwelt avancierten11  – oder eben mit Zauberreichen assoziiert wurden. 5 Weigel 2000, S.  181. 6 Vgl. Schülting 1997, S.  36. 7 Ebd., S.  13. 8 Hederich 1770, Sp.  329. 9 Ebd. 10 In der 1667 publizierten History of the Royal Society of London wurde die Entdeckung neuer Landstri- che an die Erfindung einer zuverlässigen Methode zur Längenmessung geknüpft. Erst knapp hundert Jahre später jedoch war der »Chronometer«, der ab den späten 1730er Jahren zur Längengradmessung entwickelt wurde, einsatzbereit. Mit ihm wurde die exakte Bestimmung der geographischen Lage von Inseln möglich. Vgl. Despoix 2009, S.  19–21. 11 Bitterli 2000, S.  14.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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