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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Helena Langewitz 410 Indem sich die schwimmende Inselallee mit dem die Vorderbühne bildenden Garten der Circe verbindet, verliert sie für die Zuschauer ihren genuinen Inselcharakter und wird im übertragenen Sinn Teil der Favoritaanlage. Ulysses beantwortet Circes ausdauerndes Werben nicht mit Zerstörung, sondern er erlangt durch Standhaftigkeit ein Einsehen der Zauberin, die zu ihrem Gatten zu- rückkehrt. Zuletzt erklären Ulysses und Telemachus Kaiser Leopold zum wahren Helden und verherrlichen Österreich als »unbesieget blühend«.51 Dadurch wird das zweite Bild von Circes durch die Insel-Allee erweiterten Garten als Symbol für diesen Staat deutbar, der das Chaos des Kampfes hinter sich gelassen hat. Hier geht es ge- ordnet und harmonisch zu: selbst der Schattenwurf der Tänzer unterwirft sich den Gesetzmäßigkeiten der axialen Symmetrie. Dem Fürsten kommt, wie es Daniel Caspar Lohenstein in seinem 1689 erschienenen Roman Großmüthiger Feld-Herr Arminius schildert, im »Garten-Staat« die Aufgabe zu, als Sonne die Gewächse seiner Unter- tanen zu bescheinen.52 In einem anlässlich seines Ablebens verfassten »Nachschal- lende[n] Ehren=Ruhm« wird Leopold in einem Emblem als Sonne verherrlicht, die eine mit Blumen, Bäumen, Kornfeld und bewaldetem Berg ausgestattete Landschaft bescheint. Erläutert wird das Sinnbild mit den Worten: »die an  [sic] Himmel stehende Sonne  /  und darunter verschiedene Erd=Gewächs  /  so von diesem Gestirn=Fürsten ihr Leben und Wachsthumb haben.«53 Die Bühnenbildstiche vermitteln den Eindruck, dass Burnacini dem bereits in Ver- sailles erprobten Wechsel von Blickbehinderung  – hier durch die Felskulissen  – und wieder hergestelltem bzw. durch die Allee geführten Ausblick in die Ferne folgt. Neben der bildkünstlerischen Referenz auf das Ballet du Palais d’Alcine dürfte auch der Hin- weis auf das unbesiegt blühende Österreich in Bezug auf die Herrschaftsansprüche des französischen Königs aussagekräftig gewesen sein: Die der Favoritaanlage angeglie- derte Insel legt die Interpretation nahe, dass sich Österreich bis zum Tyrrhenischen Meer erstreckt und unterstreicht damit, dass Leopold bei einer vertraglich geregelten Teilung des Spanischen Erbes mit Frankreich nicht bereit war, auf in Italien gelegene Territorien zu verzichten.54 Daneben ist anzunehmen, dass sich der Hinweis auf das unbesiegte Österreich auch an den osmanischen Botschafter und seine Gefolgsleute richtete, für die während der Auffüh- rung eigens eine Tribüne errichtet worden war, von der aus sie, für die anderen Zuschauer sichtbar, dem Spektakel beiwohnten.55 Der Sieg der österreichischen Habsburger über das osmanische Heer, der mit dem Frieden von Karlowitz am 26.  Januar 1699 besiegelt worden 51 Die Beständigkeit 1700, Letzte Szene, o.  S. 52 Lohenstein 1973, Bd.  2, S.  781.  – Zum politischen Garten vgl. auch Tabarasi 2007, S.  354–268. 53 VENERATIO  /  POSTHUMA 1705. o.  S.  – Zur Veneratio Posthuma vgl. auch Rode-Breymann 2010, S.  268. 54 Pesendorfer 1998, S.  39. 55 Vgl. Marco Martellis’ Augenzeugenbericht vom 3.  Juli 1700, wiedergegeben bei Seifert 1985, S.  870.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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