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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Umkämpfte Inselreiche – Teichtheateraufführungen in Versailles und Wien zwischen 1664 und 1716 411 war, hatte Leopold  I. nach der jahrelangen Bedrohung durch die Türken großen Ruhm be- schert und u.  a. die Befreiung weiter Teile Ungarns gebracht.56 Vergleicht man die Les plaisirs de l’isle enchantée zugrundeliegende Handlung mit der von La costanza d’Ulisse, stellt sich die Frage, ob man eine solche einvernehmliche Lösung nicht auch mit Alcine hätte finden können. Obwohl ihre Figur als Übertragung der durch Homer und Ovid geprägten Zauberin Circe in die Welt der Ritterromane zu verstehen ist,57 sind Lebens- und Familiensituationen der Helden, in die sich die Ma- gierinnen verlieben, gänzlich unterschiedlich angelegt. Im Gegensatz zu Ruggiero hat Ulysses einen prominenten Sohn: Telemachus. Dieser wird im Rahmen von La costanza d’Ulisse auf einem Thron sitzend auf der schwimmenden Insel präsentiert. Die Figur des Ulysses-Sohnes hatte bereits elf Jahre zuvor am Wiener Kaiserhof dazu gedient, Leopolds Sohn Joseph im Zusammenhang mit seiner bevorstehenden Krönung zum Römischen König als zukünftigen Thronerben auf der Musiktheaterbühne einzuführen, dies in Il Telemaco, overo Il Valore coronato. In derselben Compositione per musica wurde, wie Herbert Seifert dargestellt hat, Ludwig  XIV. in der Rolle des Königs Indamoro auf die Bühne gebracht.58 Dieser bedrängt die für »Germania«  – die Personifikation der Reichsnation59  – stehende Penelope, wird jedoch durch Ulysses alias Leopold  I. in seine Schranken gewiesen.60 Auf Joseph als zukünftigen Erben verweist auch die im Sommer 1699 anlässlich seines Geburtstags ebenfalls auf dem Teich der Favorita aufgeführte Serenata L’Euleo festeggiante nell Ritorno d’Alessandro magno dall’Indie. In dieser wird Joseph als »die Hoffnung deß Hauses von Oesterreich  /  der Edelmüthige Erb deß Un- überwindlichen Kaysers Leopold« vorgestellt. Deutlich formuliert wird die Erwartung an seine Regentschaft, die Österreichischen Grenzen auch mit kriegerischen Mitteln auszudehnen, wenn die »herrlichen Länder und Königreich  /  die erblich auff Ihn fal- len  /  und die Er durch Klugheit und durch Waffen stets wird erweitern«, Erwähnung finden.61 56 Vgl. Bérenger 2010, S.  24. 57 Vgl. Kuhn 2003, S.  18, 226–298.  – Ein für die Zuschauer sichtbarer Bezug zwischen den beiden Zaube- rinnen wird in Georg Friedrich Händels erstmals 1735 in London aufgeführtem Dramma per musica Alcina hergestellt: Für das Bühnenbild der 6. Szene des zweiten Akts wird auf einem Vorplatz zu Alcinas Gärten eine Statue der Circe gefordert. 58 Vgl. Seifert 1985, S.  276–277. 59 Brandt 2010. 60 Nachdem der Librettist Ottavio Malvezzi bereits im Widmungsschreiben an den Kaiser angibt, dass sich unter den allegorischen Kleidern seines Telemaco eine Person verberge, die Leopold sehr teuer sei, erleichtert er dem Leser in der entsprechenden Vorrede die Deutung der übrigen Protagonisten mit folgenden Hinweisen: »Per chiave dell’Allegoria ti basti di sapere, che per Penelope, che coraggiosa ribatte l’insolenza di chi la perseguita, vien figurata la Germania, Con questa sola notizia ti sarà facile di rinvenire dà te medesimo, chi sia l’Indamoro, che la perseguita; Chi il saggio Ulisse, che la preserva, ed’infine chi sia il Telemaco, che à confusione de suoi Nemici vien coronato dal Padre.« IL TELEMACO 1689, o.  S. 61 Der frolockende Euleus=Strohm 1699, o.  S.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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