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Greta Haenen
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Libretti befinden, ist bis heute unbeachtet geblieben. Gerade im eben genannten Fall
zeigt dies, dass die Bibliothek deutlich umfangreicher gewesen sein dürfte (bis jetzt
sind im loculamentum 11 nur die Lagen 1 bis 8 bekannt bzw. erhalten, mit insgesamt
18 Handschriften).
Handschrift und Druck
Der Großteil der heute als erhalten geltenden (Musik-)Sammlung ist handschrift-
lich (bei einigen Jesuitendramen ist sowohl der Textdruck als auch die Handschrift
mit Text und Noten eingebunden, allerdings ist ihre Zugehörigkeit zur Privatbiblio-
thek nicht ganz gesichert). In der kaiserlichen Privatbibliothek gab es aber auch ge-
druckte Musikalien, die (bis auf eine Ausnahme)10 nicht in den jetzt als »Leopoldina«
gekennzeichneten Bestand der ÖNB inkorporiert sind. Der Fund gedruckter Sachen
aus der Sammlung dürfte sich als schwierig gestalten: Es geht häufig um Widmungs-
exemplare, die außerdem oft später mit neuen Vorsatzblättern neugebunden wurden,
sodass die alte Signatur verschwand. Es gab keine gesonderten Bereiche oder Lagen,
in denen Drucksachen aufbewahrt wurden. Die Originalkataloge Lambecks aus den
Jahren 1666 und 1674 (die noch die ganze Bibliothek, d. h. vor allem außermusikali-
schen Bestände umfassen) unterteilen in Drucke (systematisch geordnet) und Hand-
schriften (insgesamt).11 Diese Unterteilung in Druck und Handschrift gibt es in der
Musikbibliothek nicht, so befinden sich etwa Schmelzers Sonatae unarum fidium,
N.4.N.1. in einer »Lage« mit sowohl gedruckten Musikalien als auch Musikhand-
schriften. Ein anderes Beispiel: N.2.N.2. umfasst Handschriften von Remigio Cesti, Il
principe generoso, Bernardo Pasquini, Santa Agnese, Carlo Cappellini, La fama illus-
trata, und Antonio Giannettini, Eccho ravvivata, sowie Drucke von Legrenzi, Echi di
riverenza, und Bonifazio Gratiani, Canto del 4° libro de’Motetti.12 Da es keinen Katalog
gibt, der zu Lebzeiten Leopolds verfasst wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen,
wieviel gedruckte Musik ursprünglich vorhanden war. Für unseren Zusammenhang
spielen die Drucke allerdings eher eine untergeordnete Rolle, da das dramatische Re-
pertoire in dieser Zeit (Ausnahme: Frankreich) in der Regel handschriftlich auf uns
gekommen ist.
10 J.H. Schmelzer, Sonatae unarum Fidium, Regensburg 1664; bis jetzt habe ich nur fünf Drucke zweifels-
frei als der Schlafkammerbibliothek zugehörig identifizieren können.
11 Lambeck 1666; Lambeck 1674.
12 Heutige Signaturen: resp. Mus. Hs. 17.199, 18.665, 16.283, 17.719, S.A.77.D.46 und S.A. 76.B.24.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur