Seite - 428 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Bild der Seite - 428 -
Text der Seite - 428 -
Greta Haenen
428
erschweren es uns, bei fehlender Signatur zu unterscheiden, ob ein Band zwei-
felsfrei der Schlafkammerbibliothek Leopolds zugehörig ist. Der jetzige Leopoldi-
na-Bestand der ÖNB enthält immer noch einige Musikalien, die erst nach dem Tod
Leopolds entstanden.
Hier wäre noch anzumerken, dass es auch von den Musikalien, die Joseph
II. in das
Archiv der Hofkapelle transferieren ließ, einen Katalog gibt. Dort werden ebenfalls
einige wenige Positionen aufgeführt, die noch zur Bibliothek Leopolds gehört haben
können.16 Hier handelt es sich allerdings um maximal zwei bis vier Partituren.
Der Bestand Leopoldina in der ÖNB
Ausgehend vom Verzeichniss und von den soweit vorhandenen alten Nummern
wurde der Bestand Leopoldina in der ÖNB als »Erbe« der Cubicularis zusammen-
gefasst. Einige Änderungen wurden vorgenommen. Schon Josef Gmeiner ging 1994
davon aus, dass einiges davon Makulatur sei. Nicht klar ist z. B. die Zuordnung der
»Alten Signaturen« mit Einzelnummern. Ungeklärt ist ebenfalls die Zuordnung von
Musikalien, die »entsprechend« gebunden sind, deren Signatur aber verschwunden
ist und auf denen nur Wappen oder andere Aufdrücke auf dem weißen Pergament
stehen. Einiges davon dürfte aus den Bibliotheken der Söhne stammen. Unter den
Musikalien mit »Einzelnummern« gibt es einige, die eindeutig Leopold zugeordnet
werden können (es geht um etwa zehn Partituren, wie z. B. Nr.
50, die Le gare dei Bene
enthält, oder Nr.
30 mit Zianis Il mistico Giobbe und einige andere, siehe unten). Wann
die ursprüngliche Signatur verschwunden ist, konnte bisher nicht ermittelt werden;
vielleicht wurde nach 1700 die ursprüngliche Nummerierung auch nicht konsequent
weitergeführt. La conversione di Maddalena wurde in die Bibliothek Karls VI. über-
nommen und erhielt dort die Nr. 9 (im Katalog seiner Bibliothek A-Wn Suppl. Mus.
2452 f. 54v), ebenso L’Euleo festeggiante, das mit der Nr. 27 versehen wurde, sowie
noch einige wenige weitere Werke.
Die Jesuitendramen sind halbwegs konform gebunden, ihnen fehlt jedoch das
Portrait Leopolds. Dafür wurden sie in der Regel mit kaiserlichem Wappen versehen.
Ich halte es für fraglich, ob sie je zur Schlafkammerbibliothek gehört haben. Diese
Frage stellt sich für mehrere Partituren mit einfachen Nummernsignaturen. Denn
diese Art der Nummerierung mit Einzelzahlen wird nach dem Tod Leopolds weiter-
geführt; es sieht so aus, dass sie, wenn sie denn wirklich alt ist, wie im Verzeichniss
16 A-Wn Mus.
Hs.
2454: Catalogo Delle Opere Serenade Cantate, ed Oratori le quali Sua Imperiale Reale Ma-
esta l’Imperadore Giuseppe II Si compiaquè di trasmetter nell’Archivio Musicale, dell’Imp: Reale Capella,
L’Año MDCCLXXVIII., die Nr. 4 dieses Katalogs, »Galgano Rubini, Cantata prima:…
/
Cantata seconda I
tre santi re magi«, könnte A-Wn Mus. Hs.17727/1–2 sein, ebenso die Nr.
66, Kantaten von Stradella, und
vielleicht der ein oder andere Band mit Kantaten von Bononcini.
zurück zum
Buch Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur