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Die (dramatische Musik in der) Schlafkammerbibliothek Kaiser Leopolds I.
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System der Musikbibliothek: Jeder »Schrank« fängt doppelt neu an: also N.1.N.1.
bis N.1.N.x, dann N.2.N.1. bis N.2.N.x., der Lambeckschen Nummerierung würde
N.1.N.1. bis N.1.N.x. und ab N.2.N.x+1 entsprechen. Da auf einem Boden bis zu
6 Partituren liegen können, nicht müssen, ist es schwer, zu rekonstruieren, wie viele
Noten tatsächlich fehlen. Im Katalog Lambecks gibt es nur eine einzige vergebene
Nummer innerhalb eines Schranks, dies schließt Doppelsignaturen wie in der Mu-
sikbibliothek aus.
Die Art der Nummerierung (N.x.N.x.) ist bis mindestens 1700 Standard: Dies kann
man dem erhaltenen Bestand entnehmen; es gibt noch ein Werk, Antonio Gianettinis
Oratorium La vittima d’amore, ossia la morte di Cristo von 1690, das erst 1704 am Hof
aufgeführt wurde (N.3.N.8.). Möglicherweise wurde dieses Signatursystem bis zum Tod
des Kaisers weitergeführt. Es fehlt aber ein entsprechender Werkbestand, um dies mit
Sicherheit zu sagen.
Daneben gibt es den schon genannten Bestand mit einer anderen Art der Num-
merierung: in der Mehrzahl geht es um Jesuitendramen oder Werke, die in Präsenz
von Mitgliedern der kaiserlichen Familie in Klöstern bzw. Klosterschulen aufgeführt
wurden; einige wenige so katalogisierte Werke sind jedoch relativ späte höfische Kom-
positionen. Wann diese Nummerierung vorgenommen wurde, lässt sich nicht leicht
nachvollziehen, nirgendwo ist eine Spur einer »leopoldinischen« Signatur zu finden.
Allerdings gibt es z. T. Einbände, die auf seine Sammlung hinweisen. Die Signaturen
sind ja auch keinesfalls der Hofbibliothek zuzuordnen. Spuren von Signaturen von er-
haltenen Noten aus Karls Bibliothek zeigen ebenfalls eine andere Art des Katalogi-
sierens auf. Seine Bibliothek hat eigene Nummern; Noten aus Leopolds Sammlung
wurden entsprechend umsigniert. Diese unterscheiden sich von den Signaturen, die
von Schreiber des Verzeichniss wahrscheinlich bei der Erfassung des Leopoldinischen
Bestands auf den Außendeckeln und den Vorsatzblättern eingefügt wurden. Auch die
NxNx- Signaturen auf den Außendeckeln sind in dieser Zeit angebracht: sie sind kon-
form zur Handschrift des Verzeichnisses. Das Verzeichniss nennt diese Signaturen, die
eine einfache Nummer haben, etwa Nr 1, 2 etc., »alt«; allerdings sind die, die man auf
und in den Handschriften findet, ausschließlich aus der Zeit und in der Handschrift
dessen, der das Verzeichniss verfasst hat, also 1825, im Gegensatz zu den Doppelsig-
naturen, die zwar außen neu hinzugefügt wurden, in den Partituren aber aus der Zeit
Leopolds sind.
Das Nummerierungssystem mit einfachen Zahlen (von 1 bis mindestens 90, manche
Nummern sind auch doppelt oder dreifach vergeben) ist konsistent und existierte nach
dem Tod Leopolds weiter. Die ÖNB führt diesen Bestand unter Leopoldina, auch Werke
nach 1705 werden hier noch erfasst. Die Einbände der Jesuiten- und Schuldramen sind
ähnlich denen der Cubicularis, allerdings ohne Prägung des kaiserlichen Portraits. Es
wäre theoretisch auch möglich, dass hier ein Teil der Bibliothek Josephs I., von der
keine eindeutigen Spuren mehr vorhanden sind, erfasst ist, zumal diese Schuldramen
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur