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Die (dramatische Musik in der) Schlafkammerbibliothek Kaiser Leopolds I.
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Einordnung der Oratorien sowohl unter N.1. als auch N.8. ermöglichen, gerade die
früheren Werke könnten unter N.1. subsumiert sein. Denn unter N.8. laufen zu-
nächst die Sances’ Sepolcri. Eine klare Unterscheidung zwischen Oratorien und
Sepolcri ist auch bei den Werken Leopolds zu finden: seine Sepolcri werden, soweit
die alten Signaturen erhalten sind, unter N.11., die Oratorien unter N.9. eingeord-
net. Auch sonst ist die Ordnung folgende: Giovanni Battista Pederzuolis Oratorien
liegen in N.7., seine Sepolcri in N.12. Zwei Oratorien von Ferdinand Tobias Richter
finden sich unter N.10.: N.10.N.1., S. Ermenegildo (1694), und N.10.N.3., L’Incorona-
tione di Salamone (1696, nur der zweite ist Teil erhalten; im Katalog der ÖNB ano-
nym, ohne Titel überliefert).36 Werke von außerhalb (Widmungsexemplare externer
Komponisten usw.) haben in der Regel eine niedrige Schranknummer, auch wenn
es späte Kompositionen sind. Die Oratorien sind die spätesten noch mit dem Dop-
pelbuchstabensystem (NxNy) erfassten Bibliotheksexemplare. Allerdings muss man
davon ausgehen, dass mindestens 60 oder 61 Oratorien verschollen sind, darunter
auch Werke Leopolds. Es fehlen die Sepolcri N.11.N.3. und N.11.N.5. Zwei nicht er-
haltene Werke, L’ingratitudine rimproverata (1675) und Il vero Sole fermato in Croce
(1680), beide ohne Angabe des Komponisten, könnten aus Leopolds Feder stam-
men. Chronologisch gesehen würden sie auch zu diesen beiden Signaturen passen.
Zumindest das erste Werk wird in dem Katalog der Sammlung Karls VI. als Com-
posto in Musica dalla Sacra Ces:a Maestà dell’Imperadore Leopoldo 1:mo37 bezeichnet.
Unter den Oratorien des Kaisers könnte N.9.N.2. fehlen. Dies würde zeitlich und
inhaltlich zu L’Amor della Redentione passen, dessen ursprüngliche Signatur nicht
mehr erhalten ist. Das Verzeichniss gibt nur die einfache Nummer »15«. Nimmt
man diese drei Werke hinzu, würde sich eine ungebrochene Reihung Leopold’scher
Oratorien und Sepolcri ergeben: es gäbe demnach sechs Sepolcri (vier erhalten) und
vier Oratorien (alle erhalten). Bis auf Il figliuolo prodigo mit nur einer einzigen mit
Sicherheit bezeugten Reprise werden alle Oratorien bis zu seinem Tod regelmäßig
wiederholt. Von L’Amor della Redentione gibt es zwischen 20 und 22 Wiederaufnah-
men. Die Sepolcri hingegen werden in der Mehrzahl nur jeweils ein einziges Mal
aufgeführt, was aus den spezifischen Anforderungen an Bühne und Spiel zu erklä-
ren ist.38
36 A-Wn Mus.
Hs.
18.492, Wahrscheinlicher Titel des Oratoriums Bersabea oder Davide penitente. Libretto
A-Wn 406741-B: Stanislao Amerigho, L’Incoronatione di Salomone. Oratorio Cantato nell’Augvstissima
Capella Della S.C.R.M.tà Dell’Imperatore Leopoldo, L’Anno M..DC..XCVI. Posto in Musica dal S.r Ferdi-
nando Richter, Primo Organista di S.M.C. (A-Wn 406741-B). Das Werk wird allgemein als verschollen
betrachtet.
37 Sub Sepolcro Nr 1(f 52r).
38 Nur Il Lutto dell’Universo wird zweimal wiederholt.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur