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Greta Haenen
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Draghis – Doppelungen der N.6.-Signaturen, die sich womöglich auf unterschiedliche
Funktionen beziehen: es gibt eine Reihe mit reinen Serenaten (teils mit Ballett) und eine
Reihe mit Akademie-Bezügen.
Die zweite Möglichkeit, beide N.6.-Reihen auseinander zu dividieren, bietet der An-
lass. Auch da kann man fündig werden. Aufgrund der Katalogisierungshandschriften
ließen sich beispielsweise die folgenden beiden Werke zeitlich näher einordnen: Veg-
lia di Parnasso und Le Veglie di Tempe, wobei hier auch die Doppelung im Nummern-
system deutlich werden könnte. Seifert hat beide als Geburtstagswerke für Leopold
»zwischen 1669 und 1697« angesetzt.40 Die Partiturhandschrift selbst und insbesondere
die Signaturhandschrift deuten darauf hin, dass Veglia di parnasso, N.6.N.14. um 1681
entstanden sein muss. Am 9.6. 1680 wird zum Geburtstag Leopolds Gli Oblighi dell’Uni-
verso (N.6.N.10.) aufgeführt, 1682 käme für den gleichen Anlass Gli Argonauti in Viaggio
(N.6.N.17.) in Frage.41 Bliebe Veglia di parnasso für 1681; dies würde auch zur Nummerie-
rung innerhalb der entsprechenden Gruppe in N.6.
– zwischen N.10.
und N.17.
– passen.
Eine neue und niedrigere Nummerierungsreihe entsteht parallel; in diese gehört Le
Veglie di Tempe. (N.6.N.8.) Auch dies lässt sich an der Partiturhandschrift und an der Si-
gnaturhandschrift ablesen. Als Datierungsmöglichkeit käme entweder die Zeit um den
22.7.1687 (Namenstag der Kaiserin) oder um den 9.6.1688 (Geburtstag des Kaisers) in
Betracht. Für diese beiden Daten sind jedoch andere Werke erhalten; es fehlen lediglich
Kompositionen zum Geburtstag der Kaiserin im Jahr 1687.42 Ein Zusammenhang mit
dem Geburtstag Josephs (26.7.) ist unwahrscheinlich, denn die unter N.6. erhaltenen
Werke Draghis, die für diesen Anlass in der betreffenden Zeit
– d.
h. zwischen 1683 und
etwa 1690
– geschrieben sind, haben eine weitaus höhere Signatur. Mit Signatur erhalten
sind: 1687 N.6.N.29.; 1688: N.6.N.30., 1690: N.6.N.32., 1691: N.6.N.39.
und 1692: N.6.N.40.43
Instrumentalballette
Zu den dramatischen Werken gehören Ballettmusiken, die in der Regel nicht vom Vo-
kalkomponisten geschrieben wurden; eine Ausnahme bildet Johann Heinrich Schmel-
zer, der sowohl als Vokal- als auch als Instrumentalkomponist tätig war. Diese Ballette
werden als Particell notiert und gesammelt gebunden. Es gibt zwei Bände mit Mu-
sik Johann Heinrich Schmelzers (N.4.N.2., für die Jahre 1665 bis1667; die ursprüng-
liche Signatur des zweiten Bandes ist nicht erhalten) und einen Band mit ebensol-
40 Seifert 1985, S. 584.
41 Rode-Breymann 2010, S. 138 gibt Il sogno delle gratie an, Seifert 1985, S. 506 sowohl das genannte
Werk wie auch Gli Argonauti, letzteres allerdings mit Fragezeichen.
42 Rode-Breymann 2010, S. 141.
43 A-Wn Mus.
Hs.
18.891: Il tributo de’ Savii alla maestà di Gioseffo, I compositione per musica di camera von
Minato und Draghi (für den 26. Juli 1692 vorbereitet, doch verschoben).
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur