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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Klaus Pietschmann 452 die erwähnten Episoden die Haupthandlung in einem Maße überlagern, wie es für die von Cavalli und Cesti vertonten Libretti Giacinto Andrea Cicogninis, Francesco Butis u.  a. untypisch ist. Offensichtlich ging es Bontempi primär um die Darstellung vielfäl- tiger Spielarten der Liebesthematik  – passend zum Anlass ein »musikalisches Liebes- spiel« eben, das sich als teils humorvoller, teils moralisierender Spiegel für Brautpaar und Hofgesellschaft verstehen lässt. Die Parallelsetzung von Paris und Helena mit den Brautleuten wird etwa in Szene 8 des 4. Akts deutlich, in der sich ein deutlicher Rekurs auf das Beilager-Zeremoniell erkennen lässt,9 das sich an die Trauung angeschlossen hatte: »Helena überwunden, von so mächtigem Anfalle, wirft sich auff das Bette, und macht aus ihren Armen eine Liebes-Kette, um des Paris Hals; Und indem sie einander küssen, macht Amor die Fürhänge zu, und geht aus den Gemächern.«10 Passend zu der Eigenständigkeit und Neuartigkeit erscheint es dabei, dass Bon- tempi hinsichtlich dieser Episoden offenbar keinerlei Vorlagen aufgreift. Eine bemer- kenswerte Ausnahme betrifft allerdings die 6. Szene des 1. Akts, in der ein prominentes literarisches Vorbild anklingt: Jupiters Benennung des Schiedsrichters, die erste Erwäh- nung des Paris in der Oper überhaupt, kleidet er in die Worte Clizios aus dem 2. Gesang von Giambattista Marinos 1623 veröffentlichtem Epos Adone, die im Zusammenhang mit der Schilderung des Parisurteils fallen. Dort heißt es in der 60.  und 61. Ottava: Pastor vive tra’ boschi, in Frigia nato, ma sol nel nome e ne l’ufficio è tale, ché, s’ancor non tenesse invido fato chiuso tra roze spoglie il gran natale, al mondo tutto il suo sublime stato conto fora e ’l legnaggio alto e reale. Di Priamo è figlio, imperador troiano, di Ganimede mio maggior germano. Paride ha nome, e non è forse indegno ch’egli tra voi la question decida, poich’ha l’integrità pari a l’ingegno da poter acquetar tanta disfida. Sconosciuto si sta nel patrio regno dove il Gargaro altier s’estolle in Ida. Itene dunque là, colui che porta l’ambasciate del ciel vi sarà scorta.11 [Hervorhebung durch den Verf.] 9 Deppe 2006, S.  98. 10 Bontempi 1970, ohne Pag. 11 Zitiert nach Russo 2013, S.  255.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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