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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Giovanni Angelini Bontempis Il Paride (Dresden 1662) 453 Bei Bontempi werden die beiden zentralen Verse paraphrasierend zusammengezogen: Dove il Gargaro altier s’estolle in Ida, Vive Pastor tra’ boschi in Frigia nato.12 Das an zentraler Stelle eingestreute Zitat inszeniert dabei nicht nur den literarischen Anspruch Bontempis und appelliert an die Belesenheit des Publikums, sondern lässt sich zugleich als sprachliche Überhöhung der Titelfigur verstehen, die im Kontext der Festaufführung mit dem Bräutigam assoziiert werden konnte. Die Singularität dieser literarischen Anspielung bildet damit eine subtile Reverenz an Christian Ernst und eine Zurschaustellung von Bontempis literarischem Talent, das ansonsten ohne Anleihen an Vorbilder auskommt. Bislang nicht in Betracht gezogen wurde ferner auch die Möglichkeit, dass Bon- tempis Paride komplementär zu einer weiteren Oper für die Hochzeit angelegt war, dem Ende November oder Anfang Dezember 1662 in Bayreuth anlässlich der »Heim- führung« der Braut aufgeführten Singspiel Sophia, von dem sich lediglich der Text von Sigmund von Birken erhalten hat.13 Ähnlich wie Paride in Dresden stellte die Sophia des prominenten Barockdichters und Mitglieds der Fruchtbringenden Gesellschaft für Bayreuth ein musiktheatrales Novum dar, hier sogar die erste Opernaufführung über- haupt. Anders als sein Ballett der Natur für denselben Anlass offenbar ohne Auftrag des Hofes verfasst, verstand Birken das Singspiel Sophia als programmatischen Beitrag zur Gattung, da es »ein Beispiel vor Augen  [lege], wie man sonder mit Heidnischen Götzen sich zu schleppen, welches einem Christlichen Schauplatz sehr übel anstehet, dergleichen Singspiele anordnen könne«.14 Der gänzliche Verzicht auf mythologisches Personal findet sich in Bontempis Paride zwar nicht, da das Sujet dies unmöglich macht, allerdings unterscheidet sich sein Libretto von den meisten anderen Stoffbearbeitungen des 17.  Jahrhunderts dadurch, dass nach dem Urteilsspruch keine Gottheiten mehr auf- treten  – ganz anders etwa als in Cestis Wiener Pomo d’oro, dessen zahlreiche Neben- handlungen fast ausschließlich von Göttern bestritten werden.15 Als kalkulierte Ver- schränkung lässt sich ferner die reziproke Wahl der titelgebenden Figuren verstehen: Der in Bayreuth eindeutig auf die sächsische Braut bezogenen Sophia stünde demnach in Dresden Paride gegenüber, der sich mit dem Bayreuther Markgrafen Christian Ernst identifizieren lässt. Offenkundig also bot die Fürstenhochzeit Anlass für zwei musik- theatrale Experimente in Dresden und Bayreuth, wobei die Konkurrenz, in die sich 12 Bontempi 1970, ohne Pag. 13 Zu Entstehung und Anlage vgl. Silber 2000, S.  347–423. Eine Einordnung Birkens in die deutsche Sing- spieldichtung bietet Wade 1990, passim. 14 Zitiert nach Silber 2000, S.  354. 15 Zur Handlung von Cestis Il pomo d’oro vgl. Osthoff 1986b.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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