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Elisabeth Hilscher, Anna Mader-Kratky
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sens. Zur Schaffung einer zusammenhängenden Residenzanlage erwarb sie sukzessive
Grundstücke und Bauten rund um das Alte Schloss und ließ eine geradlinige Allee von
ihrem Sommersitz Schönbrunn in Richtung Laxenburg anlegen.57
Bereits im Frühling 1744 hatte Maria Theresia den Erben nach Hofkanzler Philipp
Sinzendorf ein kleines Anwesen mit mehreren Gebäuden abgekauft, das sie 1750–1752
umbauen und im Garten »embelliren« ließ.58 Das entstandene Palais erhielt die Be-
zeichnung »Sinzendorfsches Haus« oder »Sinzendorfscher Garten« und wurde auch
als »unteres Gartenhaus« tituliert.59 Hier kam die Hofgesellschaft sowohl zum Karten-
spiel als auch zu den gemeinsamen Tafeln zusammen, was dem Gebäude später den (bis
heute gebräuchlichen) Namen »Speisesaaltrakt« eintrug.
Von einer Theateraufführung durch eine französische Schauspielgruppe während
des Séjour in Laxenburg berichtet erstmals Oberstkämmerer Khevenhüller-Metsch,
der am 29. Mai 1752 einer Komödie im »Saal des Obristhofmeisters Behausung« bei-
wohnte – damals also noch in einem eigens zum Theaterspiel adaptierten Saal und in
keinem eigenen Theaterbau.60 Wenige Tage später wurde eine der gedeckten Reitschu-
len kurzfristig als »Theatro« für die französische Truppe umgewidmet.61 Ein »von Stain
und recht hertzig erbaute[s] neue[s] Theatrum« war erst ein Jahr später fertiggestellt
und wurde am 6. Mai 1753 mit einer französischen Komödie eröffnet.62 Ab nun wurde
allabendlich
– mit Ausnahme von Freitag und Samstag
– gespielt.63 Bestätigung finden
diese Angaben von Khevenhüller-Metsch durch eine spätere Beschwerde der Gemeinde
Laxenburg, die aufgrund der Hofquartierpflicht seit 1753 für die Unterbringung der
Schauspieler in Bürgerhäusern zu sorgen hatte.64
Aus den räumlichen Angaben bei Khevenhüller-Metsch (»gegenüber des Sinzen-
dorffischen Hauses«) geht klar hervor, dass der damalige Bauplatz mit der heutigen
Lage des Theaters übereinstimmt. Auch wenn das Haus 1753 bereits bespielbar war, so
präsentierte es sich dennoch erst im kommenden Frühjahr »vollkommen verfertiget«.65
Ein zeitgenössischer Lageplan macht die Stellung der einzelnen Bauten zueinander
57 Baubeginn war bereits 1745/1746, aber erst 1764 erreichte die Allee Schloss Laxenburg; Laxenburg 2013,
S.
129–131; dazu auch Khevenhüller-Metsch, Bd. 2 (1908), S. 175.
58 Khevenhüller-Metsch, Bd. 1 (1907), S. 216; ders. Bd. 3 (1910), S. 28–29; Laxenburg 2013, S. 132.
59 Beck 2017, S. 432–435.
60 Khevenhüller-Metsch, Bd. 3 (1910), S. 39; vgl. dazu auch Grossegger 1987, S.
116–118.
61 Ebd., S. 43.
62 Ebd., S. 103. Zur Baugeschichte des Laxenburger Schlosstheaters vgl. Friedl 1975; Endmayr 1984,
S.
125–130; Lotschak 2001, S. 31–45.
63 Khevenhüller-Metsch, Bd.
3 (1910), S.
116–117: »wiewollen sie
[Maria Theresia] sonsten den Samm-
stag gleich dem Freitag zu halten und kein Spectacle bei Hoff zuzulassen pfleget«.
64 Laxenburg 2013, S. 126–127.
65 Khevenhüller-Metsch, Bd. 3 (1910), S. 174. Friedl 1975, S. 56–59, sieht den Bau von 1753–1754 nur
als provisorische Lösung an, der erst 1761–1765 seine endgültige Gestalt erhielt; diese zweiphasige Bau-
geschichte findet aber weder in den schriftlichen noch in den bildlichen Quellen Bestätigung.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur