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Elisabeth Hilscher, Anna Mader-Kratky
480 Das heutige Erscheinungsbild des Zuschauerraumes ist durch massive Eingriffe in
den 1970er und 1980er Jahren geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Theater
nicht mehr als solches in Verwendung und verfiel zusehends, bis es den in Laxenburg
ansässigen wissenschaftlichen Institutionen als Konferenzzentrum zur Verfügung ge-
stellt wurde. Bei einem weitreichenden Umbau wurden Bühnen- und Zuschauerraum
gegeneinander getauscht, um mehr Publikum unterzubringen. Als Zuseher blickt man
heutzutage also aus der Tiefe des ehemaligen Bühnenhauses gegen die kaiserliche Mit-
telloge, eine Bühne als solche ist nicht mehr vorhanden und wird nur bei Bedarf auf-
gerichtet.
3 Anmerkungen zu Repertoire und Aufführungssituation
Für die Musiktheater-Praxis des mariatheresianischen Hofes können von Beginn an
mehrere Entwicklungen festgestellt werden, die mit unterschiedlicher Konsequenz um-
gesetzt wurden:
• Ein Bauboom an Theatern in den ersten Regierungsjahren trotz latenter Finanzkrise
aufgrund der Kriege: Ballhaus /
Altes Burgtheater (1741, bzw. erweitert und umge-
baut 1743 und 1747–1748), Schlosstheater Schönbrunn (1747) und Schlosstheater
Laxenburg (1753–1754).
• Eine Trennung der Theaterbesuche in Teilnahme zum persönlichen Vergnügen und
Aufführungen aus Staatsräson.71
• Der Hof zog sich als Veranstalter zunehmend zurück, verpachtete seine Häuser (Al-
tes Burgtheater) bzw. stattet Häuser mit Privilegien aus (Kärntnertortheater) und
griff nur dann ein, wenn die Staatsräson eine Rückkehr zur althergebrachten Gro-
ßen Oper mit ihrer traditionellen zeremoniell-repräsentativen Inszenierung ratsam
erscheinen ließ.
Im Vergleich zum Großen Leopoldinischen Hoftheater, das 1747 ebenfalls dem Pächter
Baron Rocco de Lo Presti übergeben wurde, um es in einen unterschiedlich nutzbaren
Veranstaltungssaal (Großer Redoutensaal) umzubauen72
– auch weil die Bedeutung der
Bälle für die Repräsentation des Hofes wuchs –, waren die mariatheresianischen Thea-
ter wesentlich kleiner dimensioniert. Abgesehen vom Alten Burgtheater, dem größten
71 Vergleicht man die Einträge bei Khevenhüller-Metsch 1907–1925 (zusammengefasst bei Grossegger
1987), so scheint der Hof in den 1740er und 1750er Jahren fast täglich ins Theater gegangen zu sein (v. a.
Franz Stephan, allerdings bevorzugt »inkognito«).
72 Lorenz / Mader-Kratky 2016, S. 141–143 (Hellmut Lorenz) und S. 293–294 (Petra Kalousek und Anna
Mader-Kratky).
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur