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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Die gespiegelte Inszenierung? 481 der mariatheresianischen Hoftheater, waren die Theaterräume vorwiegend für private Vergnügungen der kaiserlichen Familie und ihres Hofstaates geplant.73 Dagegen gestattete die junge Königin im Alten Burgtheater auch bei höfischen Auf- führungen, etwa anlässlich ihres Namenstages am 15.  Oktober 1744, für einen Teil des Zuschauerraumes »jedermann die Entrée«  – eine keineswegs von allen Mitgliedern der Hofgesellschaft goutierte Neuerung.74 Dieser Zutritt durch den Adel, der nicht unmit- telbar dem Hof angehörte, und das »Volk« im Verband mit der geänderten Sitzordnung des Herrschers und des Hofadels änderte grundlegend die Perspektiven von Betrach- ten und Betrachtet werden der einzelnen Gruppen im Theater. Trotz dieser Öffnung für nicht-höfisches Publikum wurde jedoch durch bauliche Maßnahmen wie Barrieren im Zuschauerraum präzise dafür Sorge getragen, dass es nicht zu einer Durchmischung der unterschiedlichen sozialen Gruppen kam. In allen neuen mariatheresianischen Hof- theatern war nun eine Platzierung der »höchsten Herrschaften« in der Mittelloge des ersten Ranges vorgesehen, eventuell auch die Bereitstellung weiterer Hoflogen in grö- ßerer Nähe zur Bühne, in jedem Fall aber im ersten Rang. Dennoch kehrte man im 18.  Jahrhundert immer wieder (v.  a. an hohen Galatagen wie beispielsweise Geburts- und Namenstag des Kaisers oder der Kaiserin) zur tradi- tionellen ›öffentlichen‹ Sitzordnung zurück. Während in den privaten Schlosstheatern in Schönbrunn und Laxenburg das Wechseln der Sitzordnungen durch Umorganisation der Sitzgelegenheiten relativ leicht zu bewerkstelligen war, war dies im verpachteten und auf kommerziellen Erfolg geführten Alten Burgtheater mit einigem Aufwand ver- bunden. Nicht nur mussten die Rechte der Logenpächter gewahrt bleiben, die eine »Delogierung« gerade bei den attraktiven Hofaufführungen nicht ohne weiteres hin- nahmen, auch die spätere Einführungen eines Abonnementsystems für das Parterre in der saisonalen Vermietung der sogenannten Sperrsitze ließen eine Rückkehr zum »öffentlichen Sitzen« der kaiserlichen Familie immer schwieriger werden.75 Ob dies 73 Das mit kaiserlichem Privileg ausgestattete Kärntnertortheater (Theater nächst dem Kärntnerthore) war zu dieser Zeit noch kein Hoftheater, sondern durch den Theaterpächter, Joseph Carl Selliers in Personal- union mit dem Alten Burgtheater verbunden. Dennoch wurde das Kärntnertortheater von Anbeginn ihrer Regierung sehr gerne besucht, wie Khevenhüller-Metsch an vielen Stellen seines Tagebuchs ver- zeichnet, beispielsweise am 22.  August 1744, an dem »die Herrschafften incognito das Comoedi Haus zum Kärnthner Thor« besuchten; Khevenhüller-Metsch, Bd.  1 (1907), S.  240. 74 Ebd., S.  252. Vgl. auch Michels  [im Druck, 2020]. 75 Khevenhüller-Metsch merkte bereits anlässlich der ersten Aufführung im Alten Burgtheater am 8.  De- zember 1748 diesen Interessenskonflikt an und beschrieb detailliert die Aufteilung des Zuschauerrau- mes für die einzelnen Gruppen: »Den 8 Decembris. Vor 6 Uhr gienge alles zur Opera, jedoch ohne förm- liche Begleitung. die Kaiserin schickte wie bereits vor disem ein und anderes Mahl geschehen, durch den Graffen Losi 200 Ducaten der Impresa, um dem Publico das Spectacle gratis zu geben. Da nun also die Plag auf mich fielle, die vornehmere von Adel zu Placiren, so gabe ich denen Cammerfourieren die Anweisung, daß mann den vordern Theil des Parterre, allwo sich der Adel sonsten meistens zu placi- ren pfleget, lediglich für die übrige Dames, Cavalliers und den Halb-Adel destiniren solle. Die Logien, welche im jährlichen Bestand verlassen seind, verbliben denn Inhabern wie es billig, zu ihrer Disposi- tion; die übrige aber distribuirte ich nach Guttbefinden, wie ich dann par attention dem Bartenstein,
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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