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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Die gespiegelte Inszenierung? 487 Familien Clary, Auersperg und Fürstenberg (beide Stücke wurden am 26. Jänner in Schönbrunn und am 9.  Februar in der Hofburg wiederholt).94 Auch das Schlosstheater wurde genutzt, allerdings nur für die am Hof so beliebten Kavaliers- und Hofdamen- komödien in französischer Sprache. Warum Il parnaso confuso nicht auch ins Schloss- theater verlegt wurde, lässt sich heute nicht mehr schlüssig erklären, denn Platz hätte es wohl für mehr Gäste geboten als der enge Schlachtensaal, wie Khevenhüller-Metsch kritisch anmerkte: »Das Theatrum wurde eigends in der grossen Anticamera oder dem sogenannten Salon des batailles aufgerichtet; und weil der Platz für die Spectateurs sehr klein gewesen, so ware auch die Kaiserin mit der Entrée sehr gespahrsamm. Mann hielte sich dissfahls an keine eigentliche Classe, sondern ich formirte immer eine be- sondere Liste und liesse durch die Thürhüter die Invitations-Zettlen herumschicken. Denen Uniformes sogar muste ich insinuiren, daß sie zu den nemmlichen Spectacle, insonderheit den heutigen, nicht zweimahl kommen mögten, damit desto mehrere Per- sohnen von dieser Gnad profitiren könten.«95 Dass Greipel in seinem Gemälde auch dem Orchestergraben etwas mehr Aufmerk- samkeit schenkte, lag wohl am Dirigenten Erzherzog Leopold, der die Aufführung vom Cembalo aus leitete und als Einziger nicht die rote Uniform des Hofes trägt: Die Musi- ker sitzen, notdürftig durch eine dünne Trennwand von den Zuschauern getrennt, in zwei Reihen einander gegenüber; zu erkennen sind zwei Trompeter, fünf Geiger, ein Kontrabassist, zwei weitere Musiker der Bassgruppe und drei bis vier weitere Musiker (Oboisten und Hornisten?), die jedoch unscharf bzw. im Schatten gegenüber den Trom- peten Platz genommen haben.96 Wie auch bei den Darstellungen der Hochzeit 1760 ging es nicht um photographische ›Wahrheit‹, sondern um die Schaffung eines idealen Erinnerns, die Schaffung von memoria im besten Sinne also. Daher muss neben der ers- ten Reihe des Publikums mit der kaiserlichen Familie auch der erzherzogliche Dirigent deutlich erkennbar sein. In diesem Sinne sind auch die Trompeter nicht ›falsch‹, ver- weisen sie doch auf den imperialen Charakter des Ereignisses, obwohl sie in Christoph Willibald Glucks Stück gar nicht vorkommen.97 94 Sommer-Mathis 1994, S.  110–113. Diese Ballettpantomime wurde von Franz Hilverding choreogra- phiert, die Musik stammte aus der Feder von Florian Leopold Gassmann. Das Sujet unterscheidet sich trotz des sehr ähnlich klingenden Titels von dem der am folgenden Tag aufgeführten festa teatrale Il  trionfo d’Amore (Pietro Metastasio  /  Florian Leopold Gassmann). Vgl. dazu auch Fenböck 2013, S.  249– 255. 95 Khevenhüller-Metsch, Bd.  6 (1917), S.  77–78. 96 Die Besetzung für Il parnaso confuso lautet: Apollo (Soprano), Melpomene (Soprano), Euterpe (Soprano), Erato (Soprano); Oboe I  /  II, Fagott; Corno I  /  II; Archi, Cembalo. 97 Pauken und Trompeten galten als Zeichen imperialer Macht und wurden vom Kaiserhof als Monopol betrachtet.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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