Seite - 497 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Bild der Seite - 497 -
Text der Seite - 497 -
Kavalierstheater am Hof Maria Theresias
497
Wänden, und die Beleuchtung geschahe mittels aufgestellter Gueridons. Die Orchestra
machten die kays. Hoff- und Cammer-Musici, und Zuseher waren der Kayser und Kay-
serin, die Grafen Mollart und St. Julien.«25
Die Aufbauten für die Kavalierstheateraufführungen mussten zumindest manchmal
relativ einfach und unauffällig zu bewerkstelligen sein, wenn zum Beispiel so wie im
Oktober 1751 der Kaiser die Kaiserin mit einer Vorstellung einer französischen Komö-
die überraschen wollte. Er ließ in einem nicht näher beschriebenen Zimmer in Schön-
brunn eine Bühne errichten und lockte sie unter dem Vorwand dorthin, die jungen
Herrschaften zu besuchen.26 Einige Jahre zuvor hatte die Kaiserin ihren Gemahl mit
einem von der älteren Erzherzogin und einigen Kindern produzierten Ballett über-
raschen wollen, weshalb »auch kein förmliches Theatrum, sondern« kurz vor Beginn
der Vorstellung »nur ein Espèce de paravant oder gemahlenen Schlußraum«27 in der
Antecamera der Kaiserin aufgestellt worden war.
Natürlich mussten die Aufbauten für die Theatervorstellungen nicht nur an die
räumlichen Gegebenheiten angepasst werden, sondern auch den zeremoniellen An-
forderungen entsprechen. In seinem Tagebucheintrag vom 23. Februar 1745 hält der
kaiserliche Obersthofmeister Johann Joseph Fürst Khevenhüller-Metsch (1706–1776)
fest, dass die Bühne, die man für die Aufführungen von La Zeneide von Louis de
Cahusac (1706–1759) in der Ratsstube errichtete, aus zeremoniellen Gründen eigens
so aufgebaut wurde, dass auch Maria Theresia teilnehmen konnte. Die Kaiserin hatte
erst wenige Wochen vor der Premiere, am 23. Februar 1745, Erzherzog Karl Joseph
(1745–1761) zur Welt gebracht. Sie war seitdem noch nicht wieder öffentlich aufge-
treten und daher musste »alles in dem größten Incognito beschehen«.28 Die Bühne
befand sich genau gegenüber der Tür der Privatgemächer von Maria Theresia und
Franz Stephan von Lothringen. So musste die Kaiserin nur aus der Tür heraustreten
und zu ihrem Fauteuil gehen, um zusehen zu können.29 Die Sitzgelegenheiten waren
genau vor die Bühne platziert worden. Bei Maria Theresia saß die verwitwete Kaise-
rin in ihrem Tragesessel, neben ihr Franz Stephan von Lothringen, daneben der Erz-
herzog Joseph (1741–1790) und die zweitälteste Erzherzogin Maria Christina (1742–
1798). Neben ihr sollte Prinz Karl von Lothringen (1712–1780) platziert werden, er
blieb allerdings stehen, aus Respekt für den ebenfalls anwesenden Prinz von Wolfen-
büttel, wie Khevenhüller vermutet, denn für diesen war kein Sitzplatz vorbereitet
25 HHStA, Zeremonialprotokol 16 (1735–1738), fol. 70r.
26 Vgl. HHStA, Zeremonialprotokoll 23 (1751–1752), fol. 43r.
27 Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1907, S. 193 [Eintrag vom 8. Dezember 1743].
28 Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1908, S. 30 [Eintrag vom 23. Februar 1745]. Unter dem Hervor-
gang verstand man den ersten öffentlichen Auftritt Maria Theresias nach einer Geburt, der erst erfolgte,
sobald eine Dankmesse gelesen worden war. In diesem Fall war die Messe zwar schon gelesen worden,
der Hervorgang aber dennoch noch nicht erfolgt.
29 Vgl. ebd. [Eintrag vom 28. Februar 1745].
zurück zum
Buch Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur