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Kavalierstheater am Hof Maria Theresias
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weiteren Gäste vergab meist Khevenhüller die Einladungen. Diese ergingen bei den
Premieren häufig nur an die »Hoffämmter«,54 je nach Platz auch an »alle Hoffämtern
und Hoffdiensten, auch Dienst Cammerherrn«55 oder »Hoff Ämter, Conferenz Minis-
tri, Fürsten und deren Gemahlinnen«56. Unter den Hofämtern versteht Khevenhüller
die höchsten Funktionsträger des kaiserlichen Hofes, also den Obersthofmeister bzw.
Zweiter Obersthofmeister (ab 1741 zuständig für Maria Theresia) und Obersthofmeis-
terin, den Obersthofmarschall, den Oberstkämmerer und den Oberstallmeister, dazu
zumindest zeitweise Oberstfalkenmeister und Obersthofjägermeister.57 Diese vier
Funktionen waren zusätzlich auch mit einer politischen Funktion verbunden, da die
Amtsinhaber in verschiedenen Ratskollegien fungierten.58 Je nach zur Verfügung ste-
hendem Platz wurden diese Kreise ausgeweitet. In der geräumigen Schönbrunner Sala
terrena wurden zum Beispiel neben den Eltern der DarstellerInnen alle Hofdamen, »die
würckliche und geweste Hoff Ämter nebst ihren Frauen und was zu Schönbrunn wohn-
hafft, Capitains des gardes, Obrist Jägermeister, Capi deren Stellen, […] der Graff Ben-
tick aus Holland, die Dienst Cammerherrn, Baron Pfütschner, Toussaint, Bartenstein,
Cabinets Secretari Koch, geheimmer Zahlmeister Carl Dier und einige Cammerfrauen
nebst dem Protho Medico Van Swieten und noch ein und anderem«59 zugelassen. Bei
manchen Kammerfesten wurden zusätzlich zu den erwähnen Listen an die Mitwirken-
den zwei bis sechs Billets ausgegeben, die sie als Eintrittskarten verteilen konnten,60
allerdings nur an Personen, die auch Zutritt zu den Appartements hatten.61 So etwa
am 28. Oktober 1752 zur ersten Aufführung von Françoise de Graffignys Les Saturn-
ales, als die »Acteurs […] 2 und die Danseurs einen Zettel geben« durften, »jedoch
keinem Fremmden.«62 Fremde hatten in diesem Fall keinen Zutritt, weil die Kaiserin
mit dem Stück nicht zufrieden gewesen war. Als einzige Ausnahme durfte Kheven-
hüllers Gemahlin dem sächsischen Gesandten und dessen Frau Billets geben, »weillen
54 Ebd., S.
193
[Eintrag vom 08.
Dezember 1743]; vgl. dazu unter anderen ebd., S.
209
[Eintrag vom 03.
Fe-
bruar 1748].
55 Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1907, S. 30 [Eintrag vom 23. Februar 1745]. Vgl. Khevenhüller-
Metsch / Schlitter 1908, S. 68 [Eintrag vom 28. Oktober 1752] Der Kammerherren-Dienst wurde im
Turnus versehen, sodass nicht alle Kammerherren immer anwesend waren. Vgl. Kubiska-
Scharl
/
Pölzl
2013, S. 133.
56 Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1908, S. 209 [Eintrag vom 04.
Februar 1748].
57 Vgl. Kubiska-Scharl /
Pölzl 2013, S.
92–93, 112. Oberstfalkenmeister und Obersthofjägermeister wur-
den 1770 dem Obersthofmeisteramt unterstellt und verloren damit den Rang als oberste Hofstäbe. Vgl.
ebd., S. 100.
58 Vgl. ebd., S. 101.
59 Khevenhüller-Metsch / Schlitter 1908, S. 358 [Eintrag vom 09.
Oktober 1749].
60 Vgl. ebd., S. 30 [Eintrag vom 23. Februar 1745], S. 210 [03. Februar 1748], S. 358 [Eintrag vom
09. Oktober 1749], Khevenhüller-Metsch /
Schlitter 1910, S. 68 [30. Oktober 1752].
61 Vgl. ebd., S. 8 [Eintrag vom 05. Februar 1752].
62 Ebd., S.
68 [Eintrag vom 28. Oktober 1752].
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur