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Babette Ball-Krückmann
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Säulen
pfeilern (Abb. 10).21 Linker Hand wird die Halle um einen in die Tiefe fluchten-
den Gang erweitert. Während die Architektur nur zur Hälfte mit wenigen Federstri-
chen ausgeführt ist und auf Lavierungen verzichtet wurde, sind im Gegensatz dazu die
paarweise oder in Gruppen angeordneten Figurinen fein ausgearbeitet und über das
ganze Blatt verteilt. Genau diese grazile Art der Figurendarstellung mit gelängten Kör-
pern, kleinen Köpfen, ausgreifenden Armbewegungen und ausschwingenden Stoffsäu-
men der Frauengewänder findet sich auf zwei Blättern, die Carlo ebenfalls für die Oper
Semiramis ausgearbeitet hat, die »Stadt Babylon«22 und der »Sonnentempel« (Abb. 3,
siehe S. 515). Die Ähnlichkeiten in der Körperauffassung und in der Gestaltung der
Gewänder sind bemerkenswert und legen diesmal den Schluss nahe, dass dieses Blatt
Carlo Galli Bibiena zugeschrieben werden kann und auch, dass es zudem in engem
Zusammenhang mit den Blättern für die Semiramis steht. Es anzunehmen, dass es sich
um einen Alternativentwurf zu der »Galerie, die zu vielen Zimmern führet« handelt
(Abb. 4, siehe S. 516). Carlo hatte hierfür eine zweite Lösung erwogen, diese dann aber
offensichtlich nicht weiterverfolgt.
Schon anhand der wenigen Vergleichsbeispiele wird schnell deutlich, dass sich Carlo
als versierter Vertreter seines Fachs und auch seiner Familie gezeigt hat. Die Mitglieder
der Familie Galli Bibiena haben bildliche Äquivalente zu den in den Verwandlungen
oftmals stereotyp genannten Bühnenbildern entwickelt. Einmal gefundene Lösungen
wurden über die Generationen hinweg weitergereicht und immer wieder modifiziert
21 Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Inv. Nr. HdZ 303.
22 St. Petersburg, Staatliche Ermitage; vgl. Ball-Krückmann 2009, S.
255–256, Abb. 11.
Abbildung
10.
Carlo Galli
Bibiena, Halle mit Kassetten-
decke und Figurinen; Alter-
nativentwurf zu »Galerie, die
zu vielen Zimmern führet«
für die Oper Semiramis,
Bayreuth 1753.
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Buch Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur