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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Babette Ball-Krückmann 526 Nichts als Palmen Nur ein Jahr später wurde zu Ehren des Besuchs von Friedrich d. Großen die Oper L᾿ Huomo aufgeführt, für die wiederum seine Schwester Wilhelmine das Libretto ver- fasst hat, ein nach ihren Worten »sujet philosophique«.29 Wilhelmine hat die Handlung aus einer höfisch fürstlichen Umgebung in verschiedene Naturbereiche verlegt, was zu einschneidenden Veränderungen in der Bühnengestaltung geführt hat. Den Auf- takt bildet ein Eichenwald (I. Akt, 1. Szene), der sich in eine schreckenerregende Höhle (I. Akt, 2. Szene) verwandelt. Es folgt ein Palmenwald (I. Akt, 5. Szene), dann erscheint nochmals der Eichenwald (I. Akt, 10. Szene). Anschließend öffnet sich das Bild zu einer Gebirgskulisse mit tosenden Bächen, über die Brücken führen (I. Akt, 12. Szene), um sich schließlich in eine Landschaft mit Bergmassiv und Tempel zu verwandeln (I. Akt, 17. Szene), in der zuletzt ein Kristallpalast vor einer Gebirgskulisse zu sehen war (I. Akt, 23. Szene). Im Zentrum der Handlung steht die Auseinandersetzung zwischen dem gu- ten Geist (»bon Génie«) mit dem bösen Geist (»mauvais Génie«). Beiden kämpfen um den Einfluss auf Anemon und Animie, Sinnbilder für den männlichen und weiblichen Anteil der Seele. Sie in Einklang zu bringen, obliegt am Ende, ganz im Sinne der Auf- klärung, der Vernunft, verkörpert durch Negioree, Tochter des bon Génie. Für die dritte Verwandlung »Palmenwald« entwarf Carlo ein spektakuläres Büh- nenbild (Abb.  12). Eng gebündelt stehen die Palmen dicht gereiht und bilden 3 in die Tiefe führende Gassen. Durch die Beschränkung auf ein einziges Motiv, den Ver- zicht auf jeglichen Ausblick und die Vermeidung aller Unregelmäßigkeiten, verleiht Carlo dieser Komposition größtmögliche Intensität und Dramatik.30 Carlos äußerst 29 Libretto UB Erlangen (R.L.63a), S.  5. 30 Feder in Braun, laviert, 485 x 658 mm; The State Hermitage Museum, St. Petersburg. Ball-Krückmann 2009, S.  256–259. Sabine Henze-Döring hat in einem Vortrag die Frage nach der Umsetzung dieses Entwurfs auf der Bühne in den Raum gestellt, freilich ohne eine Lösung anzubieten. Vgl. Henze-Döh- ring 2009 (b). 1794 und 1798 werden in den Inventaren des mittlerweile »königlichen Opernhauses zu Bayreuth« »26 Palm und Waldkulissen« erwähnt. Ein Jahr später allerdings waren zwei Kulissen, bzw. ein Kulissenpaar verloren gegangen, genannt werden nun nur noch summarisch »24 Waldkulissen«. Ball-Krückmann 2009, S.  257, Anm. 30. Nach einer Rekonstruktion von Martin Hammitzsch waren im Markgräflichen Opernhaus 6 Kulissengassen mit je 4 Freifahrten vorhanden. Zwischen den Gassen lag die von den Sängern bespielbare Fläche, die rückwärts mit einem Mittel- und einem Hintergrundpros- pekt abgeschlossen wurde (Hammitzsch 1906; vgl. hierzu auch: Reus 1999, S.  27). Die Anordnung der Palmen auf der Zeichnung von Carlo sieht allerdings keinen Raum für die Sänger vor. Um die Zeich- nung mittels Kulissen umzusetzen, müssten diese von beiden Seiten bis zur Mitte des Bühnenraums geführt worden sein, was aber nicht der Fall war und den Sängern auch keinen betretbaren Raum gelassen hätte. Deshalb kann man davon ausgehen, dass Carlo hier das Aussehen des Hintergrund- prospekts in einer detaillierten Reinzeichnung wiedergegeben hat. Gerade die Darstellungen auf den Hintergrundprospekten hatten für die Wirkung der Bühnenbilder eine enorme Bedeutung. Erst hier konnten die aufwändigen Architekturinszenierungen der Galli Bibiena malerisch umgesetzt werden. Hinzudenken muss man sich je 6 Kulissen auf beiden Seiten, die weitere Palmen darstellten. Sie waren derart gestaffelt, dass sie den Bühnenraum sukzessive nach hinten verengten und nahtlos an den Hin- tergrundprospekt anschlossen. Damit wären es 12 Kulissen für das Bühnenbild des Palmenwaldes und
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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