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»Meisterstücke der Erfindung« und konkrete Wirklichkeit
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stringente Bilderfindung kommt allerdings nicht ohne Vorbilder und Anregungen aus.
In Braunschweig, wohin eine Schwester der Markgräfin, Philippine Charlotte, verhei-
ratet war und wo Carlo während seiner Bayreuther Jahre auch tätig gewesen sein dürf-
te,31 befindet sich ein Kupferstich von Nicolas Cochin nach einem Bühnenbild von Gia-
como Torelli.32 Torelli verwendete Pappeln, um sie in drei gerade geführten Gassen auf
das herrschaftliche Schloss als point de vue auszurichten, wobei auch er die Natur den
strengen Gesetzen der Geometrie unterworfen hatte. Gleichzeitig zeigt sich deutlich der
Einfluss von Carlos Großvater Ferdinando, bei dem er seine Jugendjahre in Bologna ver-
bracht hatte.33 Zu Ferdinandos Hauptwerken zählt die Ausstattung der Oper Dido Giu-
liano von 1687, die durch Radierungen überliefert ist: Allen Bühnenbildern gemeinsam
sind pointierte Blickachsen, meist verbunden mit dem Prinzip der scena per angolo. Ein
Blatt sticht besonders durch die ungewöhnliche Zuspitzung der Perspektive heraus.34 Es
werden fünf Gebäude gezeigt, die »Logge terrene« darstellen. Eröffnet wird das Bild von
den seitlich gezeigten, weit und steil in die Tiefe fluchtenden Fassaden der ersten beiden
12 Kulissen für den vorausgehenden und nochmals verwendeten Eichenwald. Ob es sich bei den zwei
übrigen Kulissen eventuell um die jeweiligen Abschlussprospekte gehandelt hätte, kann heute nicht
mehr geklärt werden. In den Inventaren werden sie nicht als solche gesondert genannt.
31 Crespi 1769, S. 95, erwähnt den zwischen beiden Höfen alternierenden Aufenthalt von Carlo.
32 Abb. 14 in: Ball-Krückmann 2009.
33 1728 verließ Carlo als siebenjähriges Kind sein Elternhaus in Wien, um nach Bologna zu seinem Groß-
vater Ferdinando überzusiedeln, wo er die nächsten 15 Jahre verbringen sollte. Crespi 1769, S. 94.
34 Vgl. Lenzi / Bentini 2000, Kat. Nr. 9a–l, bes. 9e; Abb., ebd.
Abbildung 12.
Carlo Galli Bibiena, »Palmenwald«, 3. Bühnenbild
der Oper L’Uomo, Bayreuth 1754.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur