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Margret Scharrer
Auch der Tanz bildet ein wesentliches Element des Musiktheaters. Vor allem am franzö-
sischen Hof entwickelte sich eine herausragende Ballettkultur, die im Laufe der zweiten
Hälfte des 17. Jahrhunderts für viele europäische Höfe vorbildlich wurde. Während um
1600 in Italien die Oper entstand, rückte am französischen Hof das Ballett in den Mittel-
punkt. Mit der Einrichtung der Académie royale de danse durch Ludwig XIV. setzte im
Tanz eine Spezialisierung ein, die dazu führte, dass die Bühnentänze bald nur noch von
professionellen Tänzern ausgeführt werden konnten. Diese Entwicklung wurde noch
dadurch forciert, dass die Inszenierungen von Oper und Ballett zum größten Teil an der
Pariser Académie royale de musique in Szene gingen und es für den Adel nicht in Frage
kam, sich auf der Bühne einer städtischen Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Gegensatz
zum italienischen Dramma per musica, in dem das Ballett vor allem zum Aktschluss
bzw. in den Zwischenakten begegnet, spielte es in den Tragédies lyriques eine tragende
Rolle. Prologe und Divertissements gaben dem Tanz in der französischen Oper breiten
Raum. An der Wende zum 18. Jahrhundert entstand als weiteres typisch-französisches
Genre das Opéra-ballet.
Wie der Beitrag »Projektion der Ferne: exotische Räume im französischen Musik-
theater des 17. Jahrhunderts« ausführt, waren exotische Sujets in Ballet de cour, Comé-
die-ballet, Tragédie en musique und Opéra-ballet sehr beliebt. Die Inszenierung exo-
tischer Räume gewann hier vor allem durch den Tanz eine besondere Ausprägung.
Henry Gissey und Jean Bérain entwarfen ihre Kostüme indessen nicht nur für Oper,
Komödie oder Ballett, sondern auch für die Verkleidungsdivertissements und andere
höfische Festveranstaltungen. Exotismen vermitteln in verschiedenen Inszenierungs-
formen ganz unterschiedliche Selbst- und Fremdbilder, die vom »wilden Barbaren« bis
hin zum »sagenumwobenen Herrscher« reichen.
Simon Paulus rückt in seinem Beitrag die Verbindung von Tanz und Architektur
in den Mittelpunkt. Anhand unterschiedlicher Beispiele zeigt er, dass das französische
Musiktheater immer wieder Darstellungen einer »tanzenden Architektur« hervor-
brachte. Darüber hinaus arbeitet er verschiedene Parallelen zwischen den beiden Küns-
ten heraus, wie sie sich etwa in der Wahrnehmung von Körper und Raum offenbaren.
Veröffentlicht in: Margret Scharrer, Heiko Laß, Matthias Müller: Musiktheater im höfischen
Raum des frühneuzeitlichen Europa. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2019.
DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.469
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur