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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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539 ZUR EINFÜHRUNG Margret Scharrer Auch der Tanz bildet ein wesentliches Element des Musiktheaters. Vor allem am franzö- sischen Hof entwickelte sich eine herausragende Ballettkultur, die im Laufe der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für viele europäische Höfe vorbildlich wurde. Während um 1600 in Italien die Oper entstand, rückte am französischen Hof das Ballett in den Mittel- punkt. Mit der Einrichtung der Académie royale de danse durch Ludwig XIV. setzte im Tanz eine Spezialisierung ein, die dazu führte, dass die Bühnentänze bald nur noch von professionellen Tänzern ausgeführt werden konnten. Diese Entwicklung wurde noch dadurch forciert, dass die Inszenierungen von Oper und Ballett zum größten Teil an der Pariser Académie royale de musique in Szene gingen und es für den Adel nicht in Frage kam, sich auf der Bühne einer städtischen Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Gegensatz zum italienischen Dramma per musica, in dem das Ballett vor allem zum Aktschluss bzw. in den Zwischenakten begegnet, spielte es in den Tragédies lyriques eine tragende Rolle. Prologe und Divertissements gaben dem Tanz in der französischen Oper breiten Raum. An der Wende zum 18. Jahrhundert entstand als weiteres typisch-französisches Genre das Opéra-ballet. Wie der Beitrag »Projektion der Ferne: exotische Räume im französischen Musik- theater des 17. Jahrhunderts« ausführt, waren exotische Sujets in Ballet de cour, Comé- die-ballet, Tragédie en musique und Opéra-ballet sehr beliebt. Die Inszenierung exo- tischer Räume gewann hier vor allem durch den Tanz eine besondere Ausprägung. Henry Gissey und Jean Bérain entwarfen ihre Kostüme indessen nicht nur für Oper, Komödie oder Ballett, sondern auch für die Verkleidungsdivertissements und andere höfische Festveranstaltungen. Exotismen vermitteln in verschiedenen Inszenierungs- formen ganz unterschiedliche Selbst- und Fremdbilder, die vom »wilden Barbaren« bis hin zum »sagenumwobenen Herrscher« reichen. Simon Paulus rückt in seinem Beitrag die Verbindung von Tanz und Architektur in den Mittelpunkt. Anhand unterschiedlicher Beispiele zeigt er, dass das französische Musiktheater immer wieder Darstellungen einer »tanzenden Architektur« hervor- brachte. Darüber hinaus arbeitet er verschiedene Parallelen zwischen den beiden Küns- ten heraus, wie sie sich etwa in der Wahrnehmung von Körper und Raum offenbaren. Veröffentlicht in: Margret Scharrer, Heiko Laß, Matthias Müller: Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2019. DOI: https://doi.org/10.17885/heiup.469
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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