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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Margret Scharrer 550 mit Bretonen, Basken, Afrikanern, den »Wilden« Amerikas und weiteren Völkerscha- ren ein, um Ludwig  XIV., dessen Name selbst von den »Wilden« verehrt wird, als Frie- densbringer zu huldigen, seine Siege, Tugenden und seine Regierung zu besingen. Die größten »Barbaren« und die von kriegerischen Krisen geschüttelten Afrikaner sehen endlich einem glücklichen Schicksal unter der Führung Frankreichs entgegen.37 Der Kö- nig wird als überlegener Friedensbringer inszeniert, unter dessen Herrschaft verschie- dene Ethnien zusammenleben. Die französische Krone tritt hier als Kolonialmacht auf, der die untergebenen »Völker« huldigen.38 Ton und Inszenierung des Balletts entspre- chen der Panegyrik, wie sie die Prologe der Tragédies en musique transportieren, die Ludwig  XIV. immer wieder als Friedensbringer und Beherrscher des Erdkreises feiern. Fremde Welten werden gleichfalls in der Oper auf die Bühne gebracht, was sich bereits in Lullys und Quinaults erster Tragédie en musique Cadmus et Hermione (1673) zeigt: Cadmus ist ein Königssohn von Tyros, er wird begleitet von zwei Prinzen aus seiner Heimat Ägypten. Die von ihm angebetete Hermione stammt wiederum von dem Peloponnes.39 Die drei Werke Alceste (1674), Thésée (1675) und Isis (1677) sind im grie- chischen Raum anzusiedeln,40 während die Tragédies von Atys (1676) und Bellérophon (1679) in Phrygien bzw. Lykien, also in Kleinasien, ihren Lauf nehmen.41 Das hindert die Protagonisten von Isis nicht daran, noch andere Schauplätze und Klimazonen aufzusu- chen, wie z.  B. die kalten Gebiete Skythiens, in denen die Völker der eisigen Klima zonen hausen, oder die Mündung des Nil.42 In Proserpine (1680) wird der Zuschauer nicht nur in infernale Lebenswelten versetzt, sondern auch an deren irdischem Zugang nach Si- zilien geführt. Natürlich wird diese Situation dazu genutzt, den Ätna samt Ausbruch zu zeigen.43 Persée (1682) bietet wiederum die Möglichkeit, äthiopisches Kolorit zu ver- breiten, da große Teile des Stückes sich dort auf öffentlichen Plätzen oder im königli- chen Palast ereignen. Im letzten Akt wird eine ägyptische Hochzeit gefeiert.44 Dass hier 127–137, 351–368. Siehe ferner Whaples 1984, S.  21–24; Betzwieser 1993, S.  121–125; Goulbourne 2003, S.  299; Locke 2015, S.  154. 37 Lully  /  Quinault 1697. Zur Entrée der »Wilden« Amerikas siehe S.  29–30, zur sechsten und letzten Entrée der Afrikaner S.  34–35. 38 Bloechl 2008, S.  142–145. Bloechl weist darauf hin, dass Lully in insgesamt dreizehn musiktheatralen Werken Indianer, Amerikaner oder »Wilde« auftreten lässt (S.  154–159). 39 Bufford 1999, Bd.  1, S.  1–51. 40 Bufford 1999, Bd.  1, S.  53–106, 107–169, 229–280. 41 Bufford 1999, Bd.  1, S.  171–227; Lully 1697. 42 Isis spielt in einer griechischen Ideallandschaft  – am Fluss Inachos  – und in der Götterwelt. Juno sorgt dafür, dass die geliebte Nymphe ihres untreuen Gatten, Io, in den eisigsten Gebieten Skythiens leiden muss und von Furien gequält wird (IV.1 und 2), es treten deshalb die Völker aus der eisigen Klimazone (Peuples des climats glacés) auf. Im Anschluss muss die Nymphe noch andere schreckliche Plagen er- leiden. Bufford 1999, S.  269–277. 43 Bufford 1999, Bd.  2, S.  33–39. 44 Bufford 1999, Bd.  2, S.  55–104.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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