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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Margret Scharrer 554 um einen besonders anspruchsvollen und virtuosen Tanz handelte.57 Vor allem durch große ›Volks‹- bzw. ›Nationen‹-Szenen wurde der Entfaltung exotischen Ambientes viel Raum verschafft. In Atys sind dies gleich mehrere Szenen: die Phrygier feiern die bevorstehende Ankunft der Göttin Cybèle (I.7), die ›Nationen‹ begrüßen Atys als neuen Hohepriester mit Gesang und Tanz (II.4).58 In Bellérophon sorgen Auftritte der Solymer, Lykier und Amazonen für fremdländisches Kolorit (I.4 und 5; II.1; III.5; IV.7; V.1, 2 und 3).59 Besonders viel exotisches Gepräge entfaltet Persée, hier werden die öffentlichen und höfischen Räume Äthiopiens im großen Rahmen bis auf den 3. Akt in allen Akten einschließlich des großen Hochzeitsdivertissements, das eine große Schluss-Passacaille beinhaltet, auf die Bühne gebracht.60 Auch das Sujet von Phaéton gibt zahlreiche Ent- faltungsmöglichkeiten für exotisch anmutende Szenen. Die Völker Ägyptens, Indiens, Äthiopiens und die dazugehörigen Könige treten auf, um ihre Freude über die Wahl Phaétons zum Ehemann Libies zu feiern. Sie tanzen u.  a. eine Chaconne (II.5). Um Isis gnädig zu stimmen, bringen sie ihr singend und tanzend Geschenke dar. (III.4). Bevor Phaéton stürzt, feiern ihn die unterschiedlichen Völker, als sie ihn, den zukünftigen ägyptischen König, als Lenker des Sonnenwagens am Himmel erblicken. Es werden eine Bourrée und Canarie getanzt (V.4).61 Roland enthält zwei große Tanz- und Chorsze- nen mit fremdländischem Gepräge: Ziliante und die orientalischen Insulaner (I.6), die Völker von Cathay (Abb.  6), ehren Médor als neuen König (III.5–6). Die instrumental, tänzerisch und chorisch ausgeführte Chaconne gehört zu den längsten Chaconne-Kom- positionen der französischen Oper.62 An diesem Punkt möchte ich es in der Aufzählung von Beispielen bewenden las- sen.63 Es soll lediglich der Verweis genügen, dass neben Lully und seinen Librettisten noch verschiedene weitere französische Komponisten und Theaterdichter Exotismen in ihren Werken verarbeiteten. Besonders im Opéra-ballet, einer neuen Gattung, die zum Ende des Jahrhunderts entstand und schnell große Beliebtheit erlangte, wurden exotische Sujets sehr beliebt.64 57 Prunières 1966, S.  69–77. 58 Lully 1689, Divertissements zum Schluss des ersten und zweiten Akts S.  77–118 und 140–160. 59 Lully 1679, S.  36–52, 81–92, 117–125, 128–154. 60 Die Handlung von Persée spielt in Äthiopien. Cephée und Cassiope herrschen dort als König und Kö- nigin. Andromède ist deren Tochter. Persée selbst ist göttlicher Abstammung. Seine Mutter Danae ist griechischer Herkunft. Es treten singende und tanzende Äthiopier und Matrosen (I.6; IV.13–7; V.3–7) auf. Im großen Abschlussdivertissement fahren Persée und Andromède in den Himmel, die Äthiopier und ihr König feiern ein Freudenfest. Lully 1682, S.  59–64, 175–179, 192–264, 276–328. 61 Zu den Divertissements mit exotischem Flair siehe Lully 1683, S.  79–106, 127–144, 242–257. 62 Lully 1685, S.  31–68, 156–210; Harris-Warrick 2010, 6. 3.: online: http://www.sscm-jscm.org/v16/no1/ harris-warrick.html#ch2 [letzter Zugriff am 28.8.2018]. 63 Siehe z.  B. noch Armide: das Volk feiert Armide und ihre Schönheit mit Tänzen und Gesängen in einem Divertissement (I.3), aber auch an weiteren Stellen tritt das Volk von Damaskus auf (I.4). 64 Weitere Beispiele siehe z.  B. Whaples 1984, S.  187–188.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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