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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Projektion der Ferne: exotische Räume im französischen Musiktheater des 17. Jahrhunderts 557 beratend wirksam. In seinen Memoiren teilt er selbst mit, dass er die Anfertigung der Kostüme in der Schneiderei mehrere Tage überwacht habe.74 Es ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil des künstlerischen Personals der Hofballette gewisse Kenntnisse über außereuropäischer Gebiete aus Reiseberichten, geo- graphischen Karten oder Kostümbüchern bezog. In der zweiten Hälfte des 17.  Jahrhun- derts reisten verschiedene Franzosen ins Osmanische Reich und weiter nach Persien, In- dien und Afrika. Einige von ihnen, unter ihnen der Chevalier d’Arvieux, Jean de Thevenot und Jean-Baptiste Tavernier, hinterließen umfangreiche Reisebeschreibungen.75 Seit dem 16.  Jahrhundert entsandte die französische Krone regelmäßig Gesandte an den Bosporus. Unterschiedliche Schriften über landeskundliche Themen entstanden und berichteten über Lebensweise, Kleidung, Geschichte und vieles mehr. Meist waren sie reich illust- riert, informierten auch über die Kleidung des Landes.76 Im Gefolge befindliche Musiker, Künstler und Wissenschaftler lernten die jeweils andere Kultur kennen, repräsentierten die französische Krone im Ausland. Seit der Gründung der École des jeunes langues im Jahr 1669 war es schließlich möglich, einzelne orientalische Sprachen zu erlernen.77 Französische Delegationen und Abenteurer bereisten jedoch nicht nur die arabische Welt. 1684 ernannte Ludwig  XIV. Alexandre  II. de Chaumont zum außerordentlichen Botschafter am Hof von Siam. Im Jahr darauf erreichte dieser als erster französischer Gesandter den Hof in Ayutthaya.78 Zwei Gesandtschaften aus Siam stellten sich in den 1680er Jahren am französischen Hof ein. In diesem Kontext wurden nicht nur zahlrei- che asiatische Kunstgegenstände an den französischen Hof transferiert, es kam auch zu künstlerischen Auseinandersetzungen im theatralen, musikalischen Bereich. So ver- merkt der Marquis de Sourches in seinen Memoiren unter dem 31.  Oktober 1685, dass ein »divertissement de la comédie et des marionettes, à la mode de Chine et de Siam« veranstaltet wurde.79 Sollte es sich hier um ein asiatisches Schattenspiel gehandelt ha- ben, wie sie vor allem im ausgehenden 18.  Jahrhundert in Frankreich in Mode gewesen sein sollen?80 Michel-Richard de Lalande ließ sich von den Gesandtschaften zur Kompo- sition von zwei »Airs siamois« anregen, die er später in den Symphonies pour le souper du roi veröffentlichte und in den Balletten Mirtil et Mélicerte (1698) und Les Folies de 74 Betzwieser 1993, S.  125–126; Williams 2014, S.  78. 75 Longonio 2018. 76 Noch bis Mitte des 18.  Jahrhunderts wurden Les Quatre livres des navigations et pérégrinations orientales von Nicolas de Nicolay (Lyon 1568) in französischer Sprache wie in unterschiedlichen Übersetzungen veröffentlicht. De Nicolay gehörte der französischen Gesandtschaft an, die 1551/52 an den osmanischen Hof reiste. Williams 2014, S.  20–22, 36–39. Siehe auch Betzwieser 1993, S.  36–46. 77 Hitzel 2011, S.  121–128; Moronvalle 2011, S.  64–73. 78 Einige Jahre zuvor hatte er im Auftrag Jean-Baptiste Colberts die französischen Kolonien in Nordame- rika besucht. 79 Cosnac  /  Broussillon 2010, S.  414. 80 Zu den »Ombres chinoises« in Paris siehe Dunkel 1984, S.  172.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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