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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Simon Paulus 568 pentiers genannten Opus erst mit einem weiteren Ballett der 1680er Jahre in den Kreis der allegorischen Bühnenfiguren eingeführt, nämlich in dem 1685 am Pariser Collège Louis-le-Grand als Intermedium zur Tragödie Clissonius (auch Clisson) getanzten Ballet des Arts.9 Als Choreograph ist hier Pierre Beauchamps überliefert, der wohl einfluss- reichste Tänzer und Choreograph am Hofe Ludwigs  XIV. In dem Ballett werden in vier Szenen verschiedenste Künste vorgestellt, unterteilt in »Arts pour la nécessité«, »Arts pour la commodité«, »Arts pour le plaisir«, »Arts pour la gloire & la magnificence«. Die Architektur wird hier dem Gott Jupiter zugeteilt, der die commodité  – und damit einen zentralen Begriff der französischen Architekturtheorie dieser Zeit  – vertritt.10 In der Tradition dieses Balletts steht auch das im Mai 1700 an der Académie royale de musique aufgeführte Ballet Le Triomphe des Arts nach einem Libretto von Antoine Houdar de La Motte und mit Musik von Michel de La Barre, dessen Libretto und Parti- tur von Christophe Ballard im Druck veröffentlicht wurden.11 Den nunmehr fünf Küns- ten Architektur, Poesie, Malerei, Musik und Bildhauerei wird hier jeweils eine eigene, mehrere Szenen umfassende Entrée gewidmet (Abb.  2). In diesen Entrées wechseln sich wie in Les Arts florissants Tanzsätze, Gesangs- und Chorpartien ab, die auch hier mit mythologischen Figuren besetzt sind. In der Entrée der Architektur sind dies u.  a. ein Hohepriester des Apollon, Venus und Apollon selbst. Als eigene allegorische Figur tritt die Architektur jedoch nicht auf. Es ist naheliegend, dass durch den regen Austausch mit dem französischen (und italienischen)12 Musiktheater auch in den deutschen Territorien die Architektur als tanzende und singende Allegorie eingesetzt wurde. Schon im 1659 aufgeführten Sing- spiel des Braunschweigischen Welfenfürsten Anton Ulrich Orpheus aus Thracien unter- stützten die Göttin Irene in der ersten Szene vier Nymphen, nämlich Musica, Poesis, Architectura und Zoographia.13 Sehr wahrscheinlich inspiriert durch die Werke Lul- lys und Charpentiers durfte auch bei den Festlichkeiten zur Feier des sechzigsten Ge- 9 Die Erstaufführung fand am 8.  Juni 1685 statt. Als Autoren der Tragödie sind Joseph de Jouvancy und Jacques de Baune überliefert. Desgraves 1986, S.  111, Nr.  157 u. 159. Siehe auch das zugehörige Programmheft unter: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k72318s/f1.image.r=Clisson%201685; [letzter Zugriff am 9.2.2018]. 10 Zum Bedeutungswandel dieses in der Theorie der vitruvianischen utilitas zugeordneten Begriffs bei Pierre Le Muet, Claude Perrault und Jean-Louis de Cordemoy siehe weiterführend Krufft 1985, S.  139–140, 150–151, 158–159. 11 La Barre 1700. Als Digitalisat einsehbar unter: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b90586556?rk=21459;2; [letzter Zugriff am 9.2.2018]. Das Textbuch ist unter http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k72128j/ f1.image; [ letzter Zugriff am 10.2.2018]. 12 Auf die Einflüsse des italienischen Musiktheaters kann an dieser Stelle nicht weiter eingegangen wer- den, da es den Umfang dieses Beitrags sprengen würde. Zum Einfluss des französischen Musiktheaters auf die deutschen Höfe, darunter auch Wolfenbüttel, siehe besonders Scharrer 2014, S.  95–156. 13 In Anton Ulrichs Orpheus aus Thracien wird das Ineinandergreifen der Künste treffend in der Vorrede von Irene mit dem Vers eingeleitet: »Es hat die Poesie ein Frewdenspiel gemacht  /  Das da von der Music in Noten ist gebracht  /  Die Bawkunst hat darauf den Schauplatz auffgeführet  /  Der von der Malerey ist fleissig ausgezieret.« Anton Ulrich 1659, o.S.  [9].
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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