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Simon Paulus
572 Wie in der Architektur führte so der Wandel ästhetischer Positionen im Zeichen
der Aufklärung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch im Tanztheater zu
einem Paradigmenwechsel.24 Hier wie dort war es eine sich ändernde Auffassung des
imitatio naturae-Ideals, die sich in jener Zeit vollzog.25 Auch hier machte sich der Dis-
kurs zwischen Rationalismus und Sensualismus bemerkbar, wobei in der Theorie der
französischen und deutschen Tanztraktate des frühen 18.
Jahrhunderts noch deutlich
die rationale Sichtweise dominierte: Der Ballettmeister Samuel Rudolf Behr lässt z. B.
seine anatomisch fundierte Bewegungsanalyse (1703) ausschließlich auf mathema-
tisch-geometrischen Prinzipien beruhen.26 Die wissenschaftliche Untersuchung der
Körperanatomie in Beziehung auf die Tanzkunst gipfelte letztendlich in John Weavers
1721 in London veröffentlichtem Traktat Anatomical and Mechanical lectures upon
Dancing.27
24 Woitas 1996, S. 67–84. Vgl. auch Fischer-Lichte 2007, S. 91–97.
25 Lehner 1987, siehe besonders S.
63–64 und 68–71.
26 Behr 1703.
27 Weaver 1721.
Abbildung 3.
William Hogarth: Analysis of Beauty, 1753, Tafel 1, Kupferstich.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur