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Das Ekhof-Theater in Gotha – Ein Kleinod deutscher Theaterkultur
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deren Ziel die völlige Funktionsfähigkeit dieser einmaligen barocken Maschine war. Im
Sommer 1996 fand schließlich zum ersten Mal das »Ekhof-Festival« statt, das bis heute
von Juni bis August das Theater bespielt und sich besonders der Pflege der darstellenden
Kunst des 18. Jahrhunderts widmet. Neben den Opern- und Theateraufführungen sind
hier auch Konzerte und Lesungen von Werken des 16. bis 18.
Jahrhunderts zu erleben.
Dabei galt und gilt immer die möglichst hohe Authentizität zum einmaligen Ort auf-
rechtzuerhalten, sodass den Besuchern ein ganz besonderes Erlebnis und eine »Zeitreise«
in das 18.
Jahrhundert ermöglicht wird. Bis auf das offene Feuer und die damals üblichen
Stehplätze erleben die Zuschauer die Aufführungen wie vor 300 Jahren. Zweifelsohne
der Höhepunkt einer jeden Vorstellung ist der Einsatz der Bühnenmaschinerie, die wie
vor 300 Jahren mit reiner Muskelkraft von bis zu 15 starken Kulissenschiebern in Gang
gesetzt wird (Abb.
12): Als Signal ertönt ein Glöckchen und die Seitenkulissen, das Rück-
prospekt und die Sofitten setzen sich, für den Zuschauer nahezu magisch, mit knarrenden
und quietschenden Geräuschen in Bewegung. Innerhalb von wenigen Sekunden verwan-
delt sich das Bühnenbild in eine anderes. Aus Mangel an historischen Kulissen wurden
in den letzten Jahren mehrere neue Teile nach historischen Vorlagen angefertigt. Der
Fundus umfasst heute acht verschiedene Szenen – von Festsaal bis Gesindeküche, vom
Park bis zur Schlucht sowie Kerker und Zimmer. Heute wird auch wieder die historische
große Versenkung in der Bühnenmitte eingesetzt, um Gegenstände und Schauspieler wie
von Zauberhand auf der Bühne erscheinen und verschwinden zu lassen. Eine Windma-
schine und ein Donnerschacht ermöglichen zusätzlich noch die authentischen Geräusch-
kulissen (Abb.
13). Passende Kostüme und Requisiten runden dieses Theatererlebnis ab.
Abbildung 13. Donnerschacht mit unterschiedlich schweren Kugeln.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur