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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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Vielleicht könnenuns dieKreuzzüge tatsächlichAufschluss gebenüber unsereWelt. Diemeisten,wennnichtgaralleihreLehrenlassensichallerdingsausanderenEpochen der Menschheitsgeschichte genauso ziehen. […] Die Vorstellung jedoch, dass der Kampf umdieHerrschaftüber dasHeilige Land, der von lateinischenChristenund levantinischenMuslimenvorvielenJahrhundertenausgetragenwurde,einendirekten Einfluss auf die moderneWelt hat oder haben sollte, ist falsch. Die Realität dieser mittelalterlichen Kriege muss erforscht und verstanden werden, wenn man nicht propagandistischerPolemikundaufwieglerischenFeindbildernzumOpfer fallenwill. Insgesamt jedoch sollte man die Kreuzzüge dort lassen, wo sie hingehören: in der Vergangenheit.17 Andersalsal-Qa¯ idawill etwaauchChristopherTyermaninseinem200-Seiten- Reclam-BändchendieKreuzzügeinderVergangenheitbelassen,dennLandund Sache, für die ein Kreuzfahrer lebte, starb oder sterben ließ, »besaßenWahr- heiten für seineZeit, nicht für unsere«18. Andererseitsmuss auchnachTrans- formationenderKreuzzugsidee bzw. neuzeitlichenNeuaufgriffen gefragtwer- den.19 ImarabischenKontextwerden»dieKreuzzüge«durchausalseineGeschichte wahrgenommen, in derenFortsetzung es sich für die Befreiung Jerusalems zu kämpfen lohnt.Dasmachennichterst al-Qa¯ idaund»IslamischerStaat imIrak und inderLevante«deutlich. Im1999 erstaufgelegten, ausAnlass des 11. Sep- tember 2001umeinVorwort ergänztenBuch»KreuzzugundDjihad« schreibt der inDamaskusgeborene, imWesten lehrendePolitikwissenschaftlerBassam Tibi: Jeder, der die orientalischen Sprachenbeherrscht unddie islamische Presse unserer Gegenwart lesenkann,weiß, wiehartnäckigdie islamischenFeindbilder vomchrist- lichenWesten grassieren […], daß jede Fehlhandlung desWestens […] in der isla- mischenÖffentlichkeitunsererGegenwart fast automatisch ineinenZusammenhang mit denKreuzzügen gebracht und als Zeichen ihrer Fortsetzung interpretiertwird.20 Die ungelöste Aufgabe der Befreiung Jerusalems steht auch hinter dem 1992 errichtetenSala¯had-Dı¯n-Denkmal inder syrischenHauptstadtDamaskus, das inzwischen zum Bildrepertoire von Geschichtsbüchern gehört, ohne dessen Funktion zu verstehen.21 Es geht in demMonument nur für den westlichen Betrachtenden primär umSala¯h ad-Dı¯n, denn er oder sie erkennt nicht, dass JerusalemseitderGründungIsraelsausarabischerPerspektiveschonwiederall zu langbesetzt ist.22 17 Asbridge,DieKreuzzüge, 729–730. 18 Tyerman,DieKreuzzüge, 197. 19 FelixHinz (Hg.),KreuzzügedesMittelaltersundderNeuzeit,Hildesheim:Olms, 2015. 20 BassamTibi,KreuzzugundDjihad,München:Goldmann,2001, 130–131. 21 EntdeckenundVerstehen2[/3], 31;ZeitreiseA2, 37. 22 CaroleHillenbrand,TheCrusades, Edinburgh:UniversityPress, 1999, 593–600. »Mythos«ersterKreuzzug 141 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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