Seite - 145 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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Esgibtkein InteresseandamaligenLogiken,warumGottdenKreuzzugwill
[wollen darf] bzw. das Publikum antwortet, »Gott will es«. Die Aufdeckung
dieser Denkweisen könnte auch für aktuelle Kriegsrechtfertigungen sensibili-
sieren.SchließlichwirdderKreuzzugdurchdieDenkfigurdesgerechtenKrieges
gerade nicht gerechtfertigter, weil alle Argumente debattiert werden können.
Tab.2: Die kontroverse Anwendbarkeit der Kriterien des gerechten Krieges auf den
Kreuzzugsaufruf
Kriterium Erfüllung Gegenargument
rechtmäßigeAutorität
[legitimapotestas] imKontextdesgregoriani-
schenSelbstverständnisses
selbstverständlichderPapst Papst spirituellerFührer,
nichtweltlicherHerrscher,
vgl. Investiturstreit
gerechterGrund
[causa iusta] Rückeroberungderheiligen
StättendesChristentums
nacheinerStrafzeit Unerkennbarkeit des sou-
veränenGotteswillens
rechteAbsicht
[recta intentio] Wiederherstellungdergött-
lichenOrdnung GottesWille jedenfalls so
weit erkennbar,dass er Je-
rusalemdenMuslimen
übergebenhat
angemessenerVollzug
[debitusmodus] Einbindung indenBuß-
prozess alle schondamals ander
spirituellenKraft vonPil-
gerngeäußerteZweifel, jetzt
auchandenGewaltmitteln
WegendesPlatzaufwandsfürdie immernochstarkgekürztePapstredeundder
Interpretationsprobleme der erst nachträglich aufgezeichneten Predigt sollte
manbesser denBeschluss vonClermont zitieren.Hier hätteman zeitnahund
theologischkorrektdasandiewahreBußegebundeneVersprechendesErlasses
kirchlicher Sündenstrafen, der so leicht von Kreuzzugsteilnehmenden und
-predigenden,aberauchSchulbuchautorenund-autorinnen,mitderweiterGott
vorbehaltenen Vergebung der Sünden und einer Garantie des ewigen Lebens
verwechseltwird.33
Zuhörern ausgelöst werden sollten«, »Warum sollte das ›Volk der Franken‹ in denOrient
ziehen?«;GeschichteundGegenwart2,47:Methodenschulung;ReiseindieVergangenheit1,
217: »wiePapstUrban II. fürdieKreuzzügewarb.«
33 Heinrich Hagenmeyer (Hg.),Die Kreuzzugsbriefe aus den Jahren 1088–1100, Innsbruck:
Wagner, 1901, 216.
»Mythos«ersterKreuzzug 145
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Buch Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag"
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher