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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 146 -
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DasMassaker in Jerusalem Ob die Eroberung Jerusalems aus zeitgenössischer Perspektive über die Ge- wohnheitenmittelalterlicherKriegsführunghinausging34, ist durchauskontro- vers.Gegendie traditionelle Sicht eines allgemeinenMassakers stellteThomas Asbridge2010 fest: Im13. Jahrhundert schätzteder irakischeMuslim Ibnal-AthirdieZahl dermuslimi- schen Toten auf 70.000. Moderne Historiker hielten diese Zahl lange Zeit für eine Übertreibung, aberdie lateinischenSchätzungenvonmehr als 10.000Totennahmen siealswahrscheinlichhin. JüngsteForschungenfördertenjedocheinezeitgenössische hebräischeQuellezutage,diedaraufhinweist,dassdieZahlderOpferkaumüber3000 ging und dass bei der Einnahme Jerusalems sehr viele Gefangene gemacht wurden. Daraus kannman schließen, dass schon imMittelalter dieVorstellung vonder Bru- talitätderKreuzfahrerimJahr1099aufbeidenSeitendesKonfliktseinGegenstandvon ÜbertreibungundManipulationgewesen ist.35 Ergab sicheineStadt,wurdeein teurerAbzugausgehandelt,wiebeiderRück- eroberung von al-Quds 1187, als es durchdieVernichtungdes größten je auf- gebotenenKreuzritterheersinHattinkeineAussichtaufVerteidigunggab.Ergab sichdieStadtnicht,wieJerusalem1099,sichertemansichbeieinergewaltsamen Einnahme, was man kriegen konnte. Ein Echo trotz Unordnung geordneter Besitzsicherungfindetsichinentdeckenundverstehen,woFulchervonChartres erwähnt,»dass jeder,derzuersteinHausbetrat,oberreichoderarmwar,nicht von einemanderen Frankenbedrohtwurde«.36DreiGeschichtsbücher stützen sichfürdieTextquelleaufeinennormannischenKreuzritter.37EineAnalyseder WeglassungenzeigteineTendenzzurBegradigungderFronten:Dasvergebliche Anrennen, die Zerstörung eines von zwei Belagerungstürmenund die heftige Gegenwehr derMuslime, auch als die Kreuzfahrer schon in der Stadt waren, bleibenunerwähnt. So erscheinendieKreuzritter als losgelasseneMörder von Männern, Frauen und Kindern und raffgierige Plünderer, die anschließend ihremGott fürallesdanken,währenddieMuslimeOpferohneGegenwehrsind. Wenn der Normanne schreibt, niemand habe je von einem solchen Blutbad gehörtoderesgesehen38,gehörtdasauchzurTopik39.ObdieErobererwegendes 34 Dies bezweifeln beispielsweise John France,Victory in the East, Cambridge: Cambridge UniversityPress, 1994, 325–366 Jerusalem: triumphant ending, 355;KasparElm, »DieEr- oberung Jerusalems im Jahre 1099«, in: Bauer u.a. (Hg.), Jerusalem imHoch- und Spät- mittelalter, 31–54, 42–46. 35 Asbridge,DieKreuzzüge, 117. 36 EntdeckenundVerstehen2[/3], 27. 37 DenkmalGeschichte2, 50;GeschichteundGegenwart2, 48–49;ZeitreiseA2, 35. 38 DenkmalGeschichte2, 50. 39 An vielen der Kreuzzugszeit, nicht jedoch Kreuzzugsdarstellungen entstammenden Bei- spielen:MaltePrietzel,Kriegführung imMittelalter,Paderborn:Schöningh,2006,109–118: HansjörgBiener146 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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