Seite - 147 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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Tötens und Nehmens fremden Eigentums ein Unrechtsbewusstsein hätten
habenmüssen, ist angesichtsder allengemeinsamenGewohnheitendamaliger
KriegsführungunddesgöttlichenAuftragsdiskussionswürdig.
Tatsächlich gab es auchVerhandlungenundVertragstreuewie beimAbzug
fürdenStadtkommandanten Iftikha¯r ad-Daula,mitdemsichRaimundIV.von
Toulouse indenBesitz desDavidsturmsbrachte.Demgemäßgab esnachdem
SiegderKreuzfahrerüberdasägyptischeEntsatzheereinKapitulationsangebot
Askalons anRaimund. Dieser akzeptierte, nicht aber die anderenKreuzzugs-
führer.AmEndebliebAskalonbis1154eineBastionderMuslime.
DanachaktuellerQuellenlagedieEroberung JerusalemskaumResonanz in
der islamischenWelt fand, zitieren drei Autorenteams für die islamische Per-
spektivemangelszeitnähererQuellenIbnal-Atı¯rmehrals100 Jahrespäter40, an
dessen Schullektüre sich auchBassamTibi erinnert41.Wo aber FrancescoGa-
brieli inseinemQuellenbandbeiderZahl»70.000«Totealleininderal-Aqsa¯mit
einemFragezeichenTopikanmerkt42,bietenalleSchulbücherdieZahl,dieeiner
damaligen Großstadt entspricht, als Faktum. Der von Ibn al-Atı¯r erwähnte
Abzug fürdenägyptischenStatthalterwirdnur ineinemBuchmitzitiert.43
WennmandamaligeLogikenbetrachtenwill, darfmanden inzweiBüchern
zitiertenWilhelmvonTyrusnichtübersehen.44Der imHeiligenLandgeborene
Erzbischof bewertet ausdemAbstandvonacht JahrzehntendasBlutvergießen
auf demTempelberg so: »Dies geschah sicher aufgrund des gerechtenUrteils
Gottes: Die das Heiligtum des Herrnmit ihren abergläubischen Gebräuchen
entweihtunddenGläubigenentzogenhatten,musstenesmitihremeigenenBlut
reinigenunddenFrevelmit ihremTodsühnen.«45 InEntdeckenundVerstehen
wirddasGottesurteilan-,abernichtbesprochen.46DagegengibtesinReiseindie
VergangenheitmitderAufgabe»Arbeiteheraus,wasderVerfasservonQ1unter
demBegriff ›Ordnung herstellen‹ versteht« einenAnsatz zu besserer Praxis.47
DasPlündern als Symbol des Sieges, 118–129:DieOpfer desKampfs alsMaßstab für den
Sieg.
40 DenkmalGeschichte2, 57;EntdeckenundVerstehen2[/3], 27;GeschichteundGegenwart2,
49.
41 Tibi,KreuzzugundDjihad, 132: »Bis heute lesenMuslime imGeschichtsunterricht diesen
BerichtIbnal-Athirs–auchicherinneremich,währendmeinerSchulzeit inDamaskusdiese
Lektürebetriebenzuhaben.DieserUnterrichthältdieErinnerungandieKreuzzügewach,
und entsprechend trägt sie zur Beibehaltung der Einstellung bei, die daraus hervorgeht.«
42 FrancescoGabrieli (Hg.),Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht, Zürich/München: Artemis,
1973, 49.
43 DenkjmalGeschichte2, 57.
44 EntdeckenundVerstehen2[/3], 24;Reise indieVergangenheit 1, 218.
45 RobertB.C.Huygens (Hg.),WilhelmiTyrensisArchiepiscopiChronicon, Turnholt:Brepols,
1986, 412,ÜbersetzungBiener.
46 EntdeckenundVerstehen2[/3], 27.
47 Reise indieVergangenheit 1, 219.
»Mythos«ersterKreuzzug 147
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher