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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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[2., weiterführendeAntwort] Sie sindmit demSchwert desWortesGottes zudurch- stoßen [Vgl. Hebräer 4,12], damit sie freiwillig und nicht gezwungen zumGlauben [und damit zum ewigen Leben] kommen, weil Gott Nötigungen und erzwungene Dienstehasst.60 Dieser Text ist ein Beispiel für latente Sinngehalte, die berücksichtigt werden müssen,wenneinQuellentext richtigeingesetztwerdensoll.Dasgilt fürdiezur ErläuterungeingefügtendamaligenDiskussionsschritteundnochmehr fürdie theologischeSprache,derenAbkürzungeneinschlägiggebildeteLeserinnenund Leser seiner Zeit verstehen, neuzeitliche aber nicht.Wennman »homines ei- usdem conditionis naturae« mit »Menschen von derselben natürlichen Be- schaffenheit wie wir« übersetzt61, darf man das nicht als »Die Muslime sind Menschenwiewir«62hören.Manmüsstemindestens »Sie sind doch auchGe- schöpfe Gottes« mithören. Besser zum Bibelvers und zur weiterführenden Antwort, die auf die Bekehrung der Sarazenen zielt, passt es, wennman »ho- mines eiusdemconditionis naturae humanae iustitia originali destitutae« ver- steht,»MenschenimselbenZustandwiewir,nämlichdurchdenSündenfallder ursprünglichenGerechtigkeit beraubt«. Ein »Bekehren statt Bekriegen« gab es auchaufislamischerSeite,dennhierwarvorderSchlachtdemNicht-Muslimdie Möglichkeit zurKonversionzugeben.DagegengingmanaufbeidenSeitenmit »Ketzern«gnadenlosum,dennderAbfall vomrechtenGlaubenmachte sie zur Gefahr für die Rechtgläubigen. So zog auchRadulfusNiger bei der Ketzerbe- kämpfung ihreAusrottung inErwägung.63Auchdeshalb ist ein »Sie sinddoch auchMenschen« alsZusammenfassung seinerKreuzzugsskepsis unzutreffend, denndasallgemein-humanitäreArgumenthätteanalog fürdasLebensrechtder Ketzergeltenmüssen. Zu schnell geschrieben ist darum im Lehrerband vonGeschichte und Ge- genwart die Zusammenfassung der Quelle als »Der Geistliche Radulfus Niger lehnt die gewaltsame Bekehrung und Ermordung Andersgläubiger ab.«64 In zeitreise wird zu einem Arbeitsauftrag zur Quelle eine »bejahende [!] Stel- lungnahme zur Gleichwertigkeit von Christen und Muslimen sowie zur Ge- waltlosigkeit« erwartet,wasdiePositionvonRadulfuskaumbeschreibt.65 60 Ludwig Schmugge (Hg.),RadulfusNiger:De remilitari et triplici via peregrinationis iero- solimitane(1187/88),Berlin:DeGruyter,1977,196(ÜbersetzungBiener.Diehiervorgelegte Interpretation istdurchKorrespondenzmitLudwigSchmuggerückversichert,März2010). 61 GeschichteundGegenwart2, 49. 62 ZeitreiseA2, 35. 63 Schmugge,RadulfusNiger:Deremilitariet tripliciviaperegrinationis ierosolimitane(1187/ 88), 65bzw.192. 64 GeschichteundGegenwart2.Lehrerband, Braunschweig: Schöningh,2012, 18. 65 ZeitreiseA2.Begleitband, Stuttgart/Leipzig:Klett, 2011, 19. »Mythos«ersterKreuzzug 151 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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