Seite - 159 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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JuliaThyroff
DieRollederSchweiz indenWeltkriegen.Aktuelle
Geschichtslehrmittel zwischenMythosundDekonstruktion
GemeinhingiltdieSchweizwohlmancheinemundmancheineralsLand,dasin
KriegeneineunbeteiligtePositionbezieht,sichgleichsamalsInselindenWogen
kriegerischerUnruhenbehauptet,dabei seineFreiheitundNeutralitätbewahrt
undgleichzeitigvermittelnde,humanitäreAktivitätenverfolgt.1Jedoch:Fürden
Fall des ZweitenWeltkriegs wurde dieses Bild einer neutralen, unbeteiligten
SchweizvoreinigenJahrenimRahmenöffentlicherDebattenvehementinFrage
gestellt.2DieSchweizhabe sich–soderneueTon–durchdieAbweisung jüdi-
scher Flüchtlinge schuldig gemacht, sich als Handlangerin der Nationalsozia-
listen betätigt, verwerfliche Geschäfte mit diesen unterhalten, damit unnöti-
gerweise denKrieg verlängert und letztlich vielleicht gardie propagierteNeu-
tralität inFragegestellt.3
Die folgenden Seiten handeln vomMythos der schweizerischenNeutralität
und seiner teilweisenDekonstruktion. Gegenstand der Betrachtung sindDar-
stellungenderRollederSchweiz imErstenundZweitenWeltkrieg inaktuellen
Geschichtslehrmitteln.Welche Stellung hat darin derMythos derNeutralität?
Inwiefernwird er von heutigen Lehrmitteln reproduziert oder dekonstruiert?
Mythos wird im Folgenden in Anlehnung an Jan Assmann verstanden als
1 Zum traditionellenBild einer »Schweiz als historischer Sonderfall« sieheThomasMaissen,
SchweizerHeldengeschichten–undwasdahinter steckt,Baden:Hier+ Jetzt, 2.Auflage2015,
12f., 172ff., 185. Ein Deutungsmuster, demzufolge die Schweiz sich imZweitenWeltkrieg
»trotz eigener Entbehrungen durch humanitäres Engagement ausgezeichnet habe«, wurde
identifiziert von:Nicole Peter undNicole Burgermeister, »DerHolocaust unddie Schweiz.
Konkurrierende Erinnerungen im intergenerationellen Dialog«, in: B8atrice Ziegler u.a.
(Hg.),DieSchweizunddieShoa.VonKontroversenzuneuenFragen,Zürich:ChronosVerlag,
2012, 19–28, 28.
2 Siehe hierzu Jakob Tanner, »Die Krise der Gedächtnisorte und die Havarie der Erinne-
rungspolitik. ZurDiskussionumdaskollektiveGedächtnis unddieRolle der Schweizwäh-
rend des ZweitenWeltkriegs«, in: Traverse. Zeitschrift für Geschichte/Revue d’histoire 6, 1
(1999), 16–38; Thomas Maissen, Verweigerte Erinnerung. Nachrichtenlose Vermögen und
SchweizerWeltkriegsdebatte 1989–2004, Zürich:NeueZürcherZeitung –Buchverlag, 2005;
Maissen,SchweizerHeldengeschichten, 185ff.
3 Ebd.
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher