Seite - 165 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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gesellschaftlich akzeptierte Vorstellungen von der Vergangenheit und zeigen,
was Schülerinnen und Schüler nach Auffassung der sie umgebenden Gesell-
schaft lernen sollen.33 Inwiefern reagieren Geschichtslehrmittel auf die oben
geschildertenDebatten?WelchesBildderSchweizindenWeltkriegenvermitteln
sie?Bedienensie sicheherder tradiertenMythenoderkritisieren, relativieren,
reflektieren sie diese? Da Markus Furrers wegweisende Untersuchung zur
»Nation im Schulbuch«34 bereits über eineDekade zurückliegt und es seither
einige Neuerscheinungen und Überarbeitungen in der Lehrmittellandschaft
gegebenhat, ist ein aktueller Blick lohnend. Lohnenswert ist er zweitens auch
aufgrundder sich seit einigen Jahren innerhalb derGeschichtsdidaktikmani-
festierendenKompetenzorientierung,dieauchdieLehrmittelgestaltungerfasst.
Für die Gestaltung eines kompetenzorientierten, konstruktionssensiblen Ge-
schichtsunterrichts sollte potenziell gerade das spannungsreiche Feld einer
dekonstruierenden Auseinandersetzung mit orientierungsrelevanten Mythen
einen ergiebigenGegenstand darstellen und zunehmend in denBlick genom-
menwerden.35
ZwischenMythosundDekonstruktion–EinBlickaufaktuelle
Lehrmittel
Der Untersuchung liegt ein Sample von Lehrmitteln zugrunde, die folgende
Kriterien erfüllen: Es handelt sichumdeutschsprachige Lehrmittel fürdie Se-
kundarstufe I, die thematisch denErstenbzw.ZweitenWeltkrieg beinhalten.36
Ihrem Status nach unterscheiden sie sich je nach Kanton. Einerseits wurden
solcheLehrmittelverwendet,die indenoffiziellenLehrmittellistenderKantone
alsobligatorischgeführtwerden.FürKantoneohneobligatorischeTitel fürdas
FachGeschichtewurden stattdessen fakultativeoderempfohleneLehrmittel in
das Sample einbezogen.37Damit beinhaltet dieAuswahl einenQuerschnitt ak-
tuell gültigerLehrmittel.
33 Furrer,DieNation imSchulbuch, 64; SaskiaHandroundBerndSchönemann, »ZurEinlei-
tung«, in: dies. (Hg.), Geschichtsdidaktische Schulbuchforschung, Münster: LIT Verlag,
2.Auflage2011, 3–12, 4f.
34 Furrer,DieNation imSchulbuch.
35 Die Anregung, nach einemmöglichen Zusammenhang zwischenKompetenzorientierung
undeinemneuartigenUmgangmitMytheninGeschichtslehrmittelnzufragen,verdankeich
einemDiskussionsbeitragvonHerrnRolandBernhard.
36 Vonden gewählten 16 Lehrmitteln behandeln insgesamt zwölf die Phase des ErstenWelt-
kriegs, 14diePhasedesZweitenWeltkriegs.
37 Inder Schweiz ist dasBildungssystem föderal organisiert unddieKantonebestimmendie
Auswahl der gültigen Lehrmittel für den Unterricht, wobei die Verbindlichkeit unter-
schiedlich geregelt ist. Je nachKantonkannesLehrmittelmit obligatorischem, alternativ-
DieRollederSchweiz indenWeltkriegen 165
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Buch Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag"
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Titel
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Untertitel
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Autoren
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Herausgeber
- Christoph Kühberger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 294
- Kategorie
- Lehrbücher