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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 174 -
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Wirtschaftsfreiheit.«69 Etwa wird in diesem Sinne argumentiert, die Schweiz habeaufgrund ihrerneutralenLagenicht freiwirtschaftenkönnenbzw. sei zur Zusammenarbeit gezwungengewesen.70GewissermassenwirdhierdieNeutra- lität als unabhängige Variable eingeführt, in Abhängigkeit von dieser sich wirtschaftlichesHandelngestaltet.DerumgekehrteZirkelschluss,einemögliche Rückwirkung wirtschaftlicher Beziehungen auf die Neutralität, bleibt unthe- matisiert.ErstaunlicherweisewirdlediglichineinemälterenLehrmittelausdem Jahr 1991 erwähnt, dass Teile der schweizerischen Wirtschaft während des Krieges erheblicheGewinnedurchdenHandelmit denkriegführendenNatio- nenerzielten.71 Während wirtschaftliche Verflechtungen zwischen der Schweiz und dem kriegführenden Ausland in den gegenwärtig gültigen Lehrmitteln Einzug er- halten haben, ist ein anderer Themenkomplex fast vollständig abwesend, nämlich derMythos einer Schweiz als friedliche undhumanitäre Insel in den Wogen des Krieges. HumanitäreHilfe ist imZusammenhangmit demErsten Weltkrieg nur in einemLehrmittelüberhaupt einThemaundwirddarin dem RotenKreuz,nicht aberdemLandalsAkteur zugeschrieben.72 InälterenLehr- mitteldarstellungen zumErstenWeltkrieg waren Inselvorstellungen durchaus verbreitet, wie JonasMorgenthaler herausgearbeitet hat.73Auch sind Postkar- tenabbildungen,diedieSchweizalsInselindenWogendesKriegeszeigenundin anderen Lehrmitteln durchaus als Material Verwendung finden74, im vorlie- genden Sample nicht anzutreffen.Wederwirdder bekannteMythos somit re- produziert, noch werden die Abbildungen zum Anlass genommen, um ihn kritischzubeleuchten.75LediglicheinLehrmittelzeigteinesolchePostkartemit demMotiv einer Schweiz als Insel und verfolgt dabei dezidiert eine dekon- struierende Absicht. So wird der Mythos einer Schweiz als Insel benannt, gleichzeitig jedoch auch hinterfragt mit demHinweis, dass einÜberleben in absoluter Isolation entgegen dieser Vorstellung gar nicht möglich gewesen wäre.76 69 Meyeru.a.,DieSchweizund ihreGeschichte, 94. 70 BühlerundUtz,WeltgeschichteimBild9,105;EineähnlicheArgumentationfindetsichauch imälterenLehrmittelZiegler,Zeiten,Menschen,Kulturen7, 130. 71 MeyerundSchneebli,DurchGeschichte zurGegenwart, 25. 72 Bonhageu.a.,HinschauenundNachfragen,40;EbensoimälterenLehrmittelZiegler,Zeiten, Menschen,Kulturen7, 131. 73 Morgenthaler,Gleicheiner Insel, 50. 74 Vgl.hierzuSchultheissundThyroff,Friedensinsel inderEinigkeitsprobe, 297ff. 75 Für eine geschichtswissenschaftlicheAuseinandersetzungmit der Erzählung einer huma- nitärenSchweiz sieheMaissen,SchweizerHeldengeschichten, 162ff. 76 Bonhageu.a.,HinschauenundNachfragen, 34; sieheAbbildung2. JuliaThyroff174 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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